[***Licht in der Dunkelheit***]

 „Das Böse“ ist nicht in der Welt weil es zu viel Macht hat. Oder weil die Dunkelheit über das Licht triumphiert. Das Böse ist in der Welt weil das Gute sich nicht erhebt. Weil das Licht in Gegenwart der Dunkelheit unangefacht und klein bleibt. Und das Böse somit natürlicherweise seinen Raum und seine Resonanz erzwingt. 

Licht und Liebe zu verbreiten ist viel mehr als nur Zustimmung zum Richtigen. Liebe und Licht zu verbreiten ist eine aktive Entscheidung. Denn gegen die Dunkelheit lässt sich nicht kämpfen. Der Kampf ist hoffnungslos und ohne Aussicht. Viel mehr verschlingt er jene die sich ihm hingeben, ob kurz oder lang. Er lässt sich nur bestehen in dem Bewusstsein, dass dem Nähren des Lichts und der Liebe eine weitaus mächtigere Kraft innewohnt, als ihr bislang von der Welt zugetraut wurde. In Zeiten der Dunkelheit muss das Licht des liebenden Bewusstseins erwachen, um dem Bösen keine Resonanz zu geben, ihm nicht zu begegnen, sondern ihm den Rücken zu kehren. 
Das Böse in der Welt nährt sich an dem Mangel an Liebe unter den Menschen. 
Füttere daher niemals das was dich ins Dunkel zieht mit Aufmerksamkeit. Bleibe hell in deiner Liebe für dich und der Verbindung zu allen Lebewesen um dich herum verankert. Die Liebe und das Bewusstsein dafür sind unsere göttlichen Instrumente, Licht in die Welt zu bringen. 
Liebe ist eine aktive Entscheidung. 

Liebe ist eine radikale Absage an das Böse. 

Liebe ist. Tatsächlich. 

Da. 
Zünde ein Licht an in der Dunkelheit.

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[****Probleme? Find ich gut! Die komfortable Seite von Problemen***]

Eigentlich möchte der Mensch doch sorgenfrei durch sein leben schreiten, alles soll ihm gelingen, nichts soll in betrüben, immer soll die Sonne scheinen und nie darf eine Wolke am Himmel hängen. Ja, ich übertreibe, richtig. Was ich sagen will ist, dass jeder Mensch wohl eine Art spannungsfrei Wohlfühlzone anstrebt in der er sich entspannen kann. Man könnte das auch ein Leben oder Momente ohne Probleme nennen.
Ich beobachte aber nun schon sehr lange das Gegenteil. Nämlich das sich immer gleiche einrichten in schmerzhaften Erfahrungen oder dem Beschäftigen mit unlösbaren Situationen. Fragt man wen, „wie gehts?“ ist immer irgendwo der Baum am brennen, irgendwas ist schief gelaufen, „Katastrophe, Katastrophe!“ hört man andere tagtäglich sagen. 

Warum richten wir uns in Lebenssituationen ein die uns scheinbar permanent unglücklich machen und uns Lebensfreude und Energie rauben? Obwohl wir ja eigentlich glücklich sein wollen. 

Nun ist klar, das um vorwärts zu kommen natürlich am Besseren und an der Verbesserung gearbeitet werden muss, also zu ignorieren was einen am vorwärtskommen hindert ist ja dann nicht sinnvoll. Und hier wird nämlich konstruktiv lösungsorientiertes Herangehen mit Grübeln verwechselt. Darum geht es mir nämlich, ich glaube das genau das ein Weg ist sich durch eine über die Gebühr endlose Grübelei ohne Lösung, ganz massiv am Vorwärtskommen zu hindern. 

Und warum ist das so schwer solche unglücklich machenden Situationen oder Bedingungen zu verändern, bzw. das Grübeln zu beenden? Warum sucht der Mensch scheinbar mit schlafwandlerischer Sicherheit die Ausweglosigkeit und die Qual das wie gottgegeben hinzunehmen? Es muss einige triftige Gründe dafür geben. 

Ein Weiser, ich glaube Buddha war es, sagte einmal, kannst du eine Situation nicht verändern wie du sie gerne hättest, solltest du sie entweder vollständig akzeptieren oder konsequent verlassen. Aber was tun wir meistens stattdessen? Wir hadern mit uns und der Welt, das die Beziehung oder der Job oder die Verwandtschaft oder Freundschaft sich so verhält wie wir es nicht möchten. Wir drehen und wenden uns im ewigen Gejammer, klagen an und fragen uns warum um alles in der Welt das alles so ist wie es ist. Nun sagt uns dieses Zitat eben, dass wir es genau falsch machen. Der Schmerz und das Leid beginnt indem wir mit der Situation hadern, denn nicht die Situation an sich ist schmerzhaft sondern ich behaupte mal das der Umgang mit der Situation erst zu Schmerz führt. Die Akzeptanz der Situationen würde befreiend wirken, der Blick für neue Perspektiven würde frei werden, wir würden in die Zukunft und nicht mehr in die Vergangenheit schauen. 

Und dennoch muss es komfortabele Gründe dafür geben lieber das Problem zu fokussieren, und sich daran abzuarbeiten das die Situation so ist wie sie ist, als lösungsorientiert nach vorne zu schauen. Ich gehe mal auf Spurensuche. 
1. Verantwortung abgeben 

Wer meint nichts ändern zu können gibt seine Verantwortung für die Situation vollständig ab. Das kann befreiend wirken. Das ist völlig ok, solange es Menschen gibt die sich dieser Verantwortung annehmen bzw. sich diese Schuhe anziehen. Oft finden sich schnell Menschen die helfen und heilen wollen, obwohl sie das gar nicht können, es ist nämlich nicht ihr Problem, oh Verzeihung, es ist nicht bei ihnen entstanden. 

2. Gewohnheit

Man kann in gewohnten Bahnen weiter verfahren weil alles bleibt so wie es ist. Man muss sich nicht auf neues Einlassen neue Wege ausprobieren oder selbst aktiv werden. Wer weiß, man muss evt. Mut und Selbstwirksamkeit mobilisieren und das kostet erst einmal Zeit und Kraft. 

3. Andere sind immer Schuld

Sich selbst zu blockieren ist wie eine Kugel am Bein die einen da festhält wo man gerade ist. Man kann der Kugel die Schuld an allem geben. Oder eben der bösen Welt, dem schlechten Wetter, den schlecht gelaunten Menschen, den vermeintlich enttäuschten Erwartungen der anderen. 

Es gibt viele Wege sich unglücklich zu machen, einer davon ist definitiv immer alles als Naturzustand anzusehen.
4. Wer bin ich ohne das Problem? 

Ein Problem, so hart man es auch empfinden mag, hat solange man es ernsthaft hin- und herschiebt auch immer einen identitätsstiftenden Charakter. Denn nicht „ich denke also bin ich“ sondern „ich habe ein Problem und deshalb bin ich“ scheint das neue Credo zu sein. Das Problem definiert, solange ich es ernsthaft zu meinem eigenen mache mein Leben und damit meinen Handlungsspielraum. Im Schlimmsten Fall bin ich mein Problem, das heißt ich identifiziere mich maximal mit der schwierigen Situation und lasse sie mein Erleben und Wohlfühlen beeinflussen oder sogar gefährden. Hinter jedem Problem stehen auch immer Grundannahmen über sich selbst. So was wie „ich habe noch nie viel ausgehalten“ oder „Mathe war nie meine Stärke“ stabilisieren das Gefühl von uns der Situation nicht gewachsen zu sein und schon gescheitert zu sein, bevor wir überhaupt begonnen haben darüber nachzudenken was wir verändern können. Negative Glaubenssätze und Grundannahmen blockieren maximal den Weg positive Lösungen zu finden.  
5. Zuwendung 

Hat man ein richtig heftiges Problem, wird man wenn man Glück hat, bemitleidet und mit Zuwendung bedacht. Man bekommt als Probleminhaber einfach mehr Aufmerksamkeit von seiner Umwelt. Denn Probleme zu besprechen wirkt wie sozialer Kitt unter den Menschen, das ist auch der Grund warum viele Gespräche so problemfokussiert sind. Man kann sich umeinander kümmern und sich helfen. Beobachtet das mal, Menschen die wenig bis keine Probleme thematisieren wirken komisch weil sie nicht abhängig denken. Man kann ihnen gar nicht helfen oder zur Lösung beitragen. Wenn das einer der Hauptmotive für Kontakt ist wird es bei Menschen die recht wenig um Probleme kreisen etwas dünn themenmäßig, da muss man sich nämlich was anderes einfallen lassen um den Kontakt zu gestalten. Also hier auch heißt es wieder gewohnte Bahnen verlassen. Aber wie ist das noch mal? Alles was ungewohnt ist läuft nicht automatisch und muss bewusst getan werden, alles andere ist der täglich murmeltiergrüßende Autopilot. 

6. Schmerzvermeidung

Das Akzeptieren einer schwierigen Situation ist mitunter erst einmal auch sehr schmerzhaft. Das dauerhafte Festhalten zwar noch mehr, aber durch das vollständige Akzeptieren hingegen löst sich der Schmerz auf und wird in dynamische Kräfte transformiert, die Entwicklung anstoßen. 
Bis dahin gehört ein Abschiednehmen von eigenen Wünschen und Vorstellungen zum Prozess des Akzeptierens, wir müssen Enttäuschungen ins Gesicht sehen und zulassen was sie mit uns machen. Das ist glaube ich der aller aller schwerste Teil und der Grund warum es erst einmal leichter scheint sich einzureden, das Problem oder die Situation sei veränderbar. Indem wir das annehmen, quälen wir uns auf mitunter verlorenen Posten nicht aufzugeben und für unsere Wünsche zu kämpfen, aber dabei ziehen wir uns im Laufe der Zeit immer tiefere Wunden zu. Denn wir verharren an der immer gleichen Stelle, und vertiefen die Wunden der Enttäuschung in uns. Wir machen weiter und verneinen das die Situation aber so ist wie sie ist, wir könnten doch was dran ändern, denn das beschützt uns vor einem Gefühl das für unsere Psyche absolut vernichtend ist: Unsicherheit und Kontrollverlust. Lassen wir los, erkennen wir die Situation wie sie ist an, wir geben uns ihr hin und damit allem was das mit uns macht. Das nennen Psychologen auch Verarbeitungsprozess. Und der dauert meistens lange an, bis die Psyche so stark ist um auszuhalten dass sie sich von etwas verabschieden muss. Oft handelt es sich im ständigen Wiederholen um das Vertiefen der Einsicht „ja das ist wohl so!“ in immer anderer Form und Art. 

Also wieder ein guter Grund erst einmal das Problem zu fokussieren. 

Gar nicht so unbedeutend die Gründe für Problemfokussierung und Grübelei, gell? Vielleicht kann man es auch so sehen, dass man bevor man ein Problem loslassen kann, es in allen emotionalen und psychischen Dimensionen durchgearbeitet haben muss. Und das geht nicht so schnell. Und bis dahin helfen einem die oben aufgeführten Gründe das leidenschaftlich in Endlosschleife zu tun. Für eine Zeit. Denn nach dem Problem ist ja bekanntlich vor dem Problem 😉

[***Die Qual mit der Wahl***]

Jeder Mensch, so sollte man meinen und annehmen strebt besonders heutzutage, in Zeiten der Pluralisierung und Individualisierung nach dem höchsten Grad an Unabhängigkeit. 
Das Postmoderne Zeitalter in dem die alten Werte und Institutionen sich zerschlagen haben hat längst ausgedient, was jetzt kommt nennt sich Neo-Postmoderne und Digitale Informationskultur. 

Und wo findet das heute alles statt? Genau im Internet. 

Es war noch niemals so leicht so schnell Informationen über die Welt zu bekommen, im Gegenteil man wird förmlich überschwemmt und überfordert damit zu sortieren zu bewerten und was wirklich nicht das kleinste Problem ist, zu reflektieren was da wieder irgendeiner geschrieben, gepostet, getwittert oder sonst wie in den Orkus krakeelt hat. Die angeblichen Meinungen könnten diverser gar nicht sein, die verschiedenen Strömungen und Ansichten bilden ein buntes Spektrum im digitalen oder medialen Diskurs. Und dazwischen irgendwo der Mensch. Klein und unbedeutend sitzt der täglich vor seinem Screen und staunt nicht schlecht ob der schillernden Welt die ihm die neue Informationskultur bietet. Die Welt ist in greifbare Nähe gerückt, nein viel besser, jeder kann nun ein aktiver Teil davon sein, mitmachen im digitalen Zirkus und sich direkt bis auf den Esstisch gucken lassen. Man nimmt teil. Man lässt zuschauen. 
Viel hilft bekanntlich viel, klar aber im dem Fall stimmt das nicht so ganz. Viel ist es ja was da auf einen einprasselt, klar viel zu viel, um so schnell verarbeitet zu werden. Aber hat mal einer überlegt wer und was da überhaupt eine wirkliche Meinung basierend auf Fakten vertritt? Nein, da muss man nämlich sehr lange suchen. Daher ist der Korridor, oder auch die Qualität der Informationen ziemlich dünn. Es fehlt oft an präziser Beschreibung, neutralen Fakten, Quelldaten usw. Niemand ist mehr erfahr- weil nicht erfassbar. Es ist zu viel und zu wenig an einem: Ein echtes Gespräch. Mit echten Menschen. Face to face. 

Wir sind nicht dabei wenn Frau Merkel mit Sowieso dem YouTube-Star über Politik und Medien spricht. Unsere Meinung ist eine hochgradig wackelige, weil maximal durch den Filter der medialen Vorprägung bestimmte. Kein Blatt ist Oppositionsfreudig und niemand merkt das, denn das Dagegensein ist so sehr in MODE dass es gar nicht mehr auffällt dass da niemand wirklich widerspricht. Oder wirklich was zu sagen hat. 
Alle widersprechen. Weil das aber nur im privaten Kämmerlein vor dem Rechner maximal der eigenen Frau gegenüber passiert, findet nichts mehr statt an Dialog der etwas verändern könnte, der einen Unterschied machen könnte. Versteht ihr? Sich nur durch überkritisches Widersprechen im medialen Diskurs zu definieren macht noch keine Meinung. Eher löst sich jeder Dialog auf. Es scheitert am Lesen der Signale die über 90 Prozent NICHT sprachlicher Natur sind. Die fehlen hier! Und wir bilden uns hier eine „Meinung“? Mh… 

Jeder bleibt hier nämlich damit für sich allein. 
Und so entwickelt sich das Netz von einer riesen Chance für die Demokratie zu ihrem möglichen Sargnagel weil jeder ein seinem Brei schwimmt und stecken bleibt. Hier wird man entweder befeuert und bestätigt oder „gehatet“. Aber eine echte Rückkopplung in der Interaktion gibt es nicht. Man liest und umgibt sich nur mit Dingen die der eigenen Meinung am nächsten stehen. So bleibt man stehen, schwimmt auf der stelle und bekommt keine Rückmeldung bzw keinen nennenswerten Impuls von außen das mal zu überdenken. Mal in eine andere Richtung zu schauen oder zu denken. Mal etwas zu hinterfragen. Das macht das Netz für uns, wir lassen denken und zwar nicht zu knapp. Im Zu-und abnicken besteht noch kein Meinungsbildungsprozess. 
Und die Politik reibt sich die Hände. Die profitieren von meinungslosen 0/8-15-Wählern, dem Durchschnittsdeutschen der seine Schäfchen lieber im Trockenen haben will, als die mal zur Disposition zu stellen, und dabei nämlich eines zu werden: sichtbar. Angreifbar. Verortbar. Für andere. 

Denn dann verlässt man den gesellschaftlich akzeptierten Rahmen der Rebellion die da nämlich ist: Im Netz und am Stammtisch pöbeln. Mal mutig einen Facebook Freund entfreunden. Mal was nicht liken. Ja, das ist aber das Niveau auf dem da gespielt wird, kein Witz. 

Aber konkrete offene Fragen stellen, wie zum Bespiel warum Angela Merkel hundert Prozentig wieder erdrutschartig die Wahl gewinnen wird, obwohl sie die ganzen Jahre vorher nur in einem gut war: nicht aus der Deckung zu kommen, Schrägstrich sich tot zu stellen. Da fassen sich sogar die Damen und Herren der Taz an den Kopf und sagen „tja ähhh“. Jede aber wirklich jede politische Debatte wird verwässert mit Allgemeinplätzen oder dem Öffnen von Nebenschauplätzen und jeder brüllt „Genau, gefällt mir!“ Letzte Woche wurde wieder der Trump der alte Komiker durchs Netz gejagt, aber das bald Bundestagswahl ist merkt man jetzt so gaaaanz ganz langsam allmählich erst daran, dass die Plakatfetzen mit zerrissenen Gesichtern das Stadtbild prägen. Ja, genau. Plakate abreißen macht total Sinn, nicht! Weil so nichts zu Stande kommt an Meinung. Abreißen ist kein Statement wofür man steht. 

Aber da ist er wieder. Der Wille doch was zu gestalten. Ich kriege zwar keine Meinung zu Stande aber was abreißen, dafür reicht es har har har *auf die Brust trommel. 
Und somit ist die liebe Welt so nah sie durch das Netz auch immer geworden ist, in unendliche Ferne gerückt. Denn es ist so egal geworden was mit ihr passiert. Das was mir nicht gefällt kann ich ja wegklicken, weiter scrollen zumachen, und schon habe ich andere Nachrichten, Quatschvideos und Zeug zum ablenken. Was gestern Trump war ist heute die Wahl und es ist egal. Egal was passieren wird, irgendeiner wird es schon werden, irgendeiner wird es wieder verkacken, irgendeine wird wahrscheinlich sagen: das war ich nicht, das war schon so. Und irgendwer wird wieder sagen wir schaffen das. Und wir wissen doch alle was das heißt: es ist der Trost der Unmündigen und der ewig ängstlichen. Es ist der Trost der in Deckung gehenden „wir wollen das sich was verändert aber ohne das ich mich bewegen muss“. Und so reiten sie alle ihre medialen Wellen. Reiten ihre Ideologien der progressiven zukunftsorientierten Strömung und der rückwärtsgewandten gestrigen Haltung des Konservativen. Und angereichert mit der medialen Rhetorik der Egalität bricht Menschlein in seinem Drang nach Autonomie und Abhängigkeit entzwei. Denn der Drang nach Sicherheit und dem ewig gleichen Eingepfurze in alte Sessel ist in Anbetracht der großen Welt und dem globalen Kampf um Ressourcen und Ideologien doch zu hoch. Der Trend geht deutlich zum Zweit- bzw. Drittgrill. Während im Mittelmeer die Menschen ertrinken, möchte man lieber überlegen wie man seine individuelle Extrawurst gegrillt haben will, und das soll auch so bleiben, bitteschön. 
Viel Spaß heute Abend beim TV-Duell. 

Warum nennt man es eigentlich Wahl, wenn man gar keine hat?

[BUCHSTABENLIEBE❤️][Bild]

„Du sollst dir kein Bildnis machen“ sagte Max Frisch. Ich finde das aber schwierig. Wie soll das denn gehen? Ist es nicht eine Form der Welt-Erschließung sich erst einmal von allem ein Bild und eine Form zu machen? 
Manche Menschen haben die Gabe dich zu sehen. Das bedeutet, dass sie dich wirklich erkennen, so wie du bist. Das sind in der Regel Menschen die selbst sehr aufgeräumt sind, sich innerlich so sortiert haben, dass sie ihre Innenwelt unter Kontrolle haben. 

Sie können zwischen eigenen Projektionen die Konzepte, Wünsche und Bilder über die eigene Innenwelt beinhalten, und der Außenwelt die damit gar nichts tun hat, unterscheiden. Ein Mensch der in der Lage ist seine eigenen Konzepte und Denkweisen als das zu erkennen was sie sind, nämlich Kategorien die in Bild und Wort geistige Manifestationen seiner Innenwelt bzw. Identität sind, ist in der Lage sich nicht weiter mit ihnen zu identifizieren sondern sein eigenes Ich fernab dieser Kategorien zu erschließen. Man ist nicht seine Vergangenheit. Man ist das was einen jetzt dazu befähigt mit sich und der Welt umzugehen. Deshalb können Menschen die das aushalten nur andere Menschen anziehen die ebenso sind. Und genau die sehen dich. Der Rest sieht zum größten Teil nur sich selbst. Die meisten Menschen arbeiten an dir das ab was sie nicht bewältigen können. Das ist normal, das tust auch du, das passiert in Beziehung so. Es ist aber wichtig das zu wissen und sich daraus entwickeln zu wollen. Denn nur dann übernimmt man die volle Verantwortung für seinen Teil der Geschichte. 

Das zu verstehen, das man die Welt in erster Linie so denkt wie man selbst ist bedeutet wachsen. Erst dann beginnt man alte Muster zu verlassen. Die Jahre davor wirden nur in Endlosschleife wiederholt was nicht zu ändern ist. 

Ist man angezogen von etwas oder einer Person, sagt das was wichtiges über dich aus, genauso wie umgekehrt. Erst später lernen wir diese Muster zu erkennen, zu verlassen und zu verstehen, dass uns Trigger und Muster so empfinden lassen wie wir es tun. Die Welt ist nämlich einfach so wie sie ist, ohne dein Zutun. Gut und Schlecht sind da nur menschliche Kategorien. 

Wir entdecken, dass das was wir für Liebe gehalten haben in Wirklichkeit keine war. Oder das uns Wut und Trübsal nicht mehr im Griff haben weil wir unbeteiligt sind an den Brandherden die andere verursachen. Bestenfalls lernen wir Menschen loszulassen oder zu meiden die uns schaden wollen und uns denen zu nähern die uns wachsen lassen. Wir erkennen wo wir wirklich satt werden und bei wem wir den Hunger der kindlichen Entbehrung weiter vollziehen, weil es so gewohnt und damit stabil ist. Wenn man das alles erkannt hat dann geht der Prozess der Entwicklung los. Und dann erst kann man langsam andere Menschen beginnen wirklich zu erkennen. Vorher nicht weil sie da entweder Feind oder Erfüllungsgehilfe eigener Bedürfnisse waren. Und manchmal, wenn man wirklich lange wartet und sich mühsam durch den ganzen biografischen Mist gekämpft hat, trifft man jemanden der das kann. Dich sehen. 

Oder du bemerkst die die dich schon immer so gesehen haben wie du wirklich bist, nur konntest du es nicht erkennen. Ein Bild zurück geworfen zu bekommen ist nicht immer schlecht. Es kann einem helfen zu heilen und zu erkennen wer man eigentlich wirklich ist. Und das ist dann Liebe. Wenn man sich ohne Ego erkennt. 

Danke an P.K. für die Zeichnung

Mit dem Rucksack durch Vietnam 🇻🇳 08.08.2017 – 28.08.2015]Tag XV20.08.2017[Tempelbesichtigung My S’on]

Die Tempelanlage My So’n (lMỹ Sơn) liegt tief im vietnamesischen Dschungel verborgen. Der Tempel zählt ebenfalls seit 1999 zu dem UNESCO Weltkulturerbe. 
Sie war eine Heiligenstätte der Champas, der in Vietnam lebenden Gemeinschaft die sich stark am hinduistischen Glauben orientiert hat. Sie dokumentiert den hinduistischen Einfluss der Architektur auf Südostasien und wurde deshalb in die Liste der Weltkulturerbe aufgenommen. 

Die Franzosen waren es die in der Kolonialzeit die Tempelanlage wieder entdeckten und den alten hinduistischen Statuen ihre steinernen Köpfe abschlugen und sie mitnahmen. Bis heute hat sie Vietnam noch nicht wieder bekommen. Man sollte sich hüten seinen Kopf auf den Hals der Statue zu setzen, um zu posieren, denn das würde immenses Pech bringen, unser Guide sprach sakral von „bad spirit“. Unser Gudie ist übrigens heute die vietnamesische Ausgabe von Stefan Raab, der ist der geborene Entertainer, in meinen Augen gehört der auf eine Bühne. 

Wir betreten das Gelände und laufen eine Weile zu den „Electric Cars“, wir werden in elektrisch betriebenen Fahrzeugen hoch zu den heiligen Stätten gefahren. Zwei Stunden werden wir heute mit der Wanderung zubringen, das Wetter ist unerträglich heiß, die Luftfeuchtigkeit wieder einmal so hoch das es einem den Atem nimmt. Der Schweiß läuft mir ohne jede Bewegung in die Augen, Durst ist ein ständiger Begleiter. Ohne Hut würde ich hier nicht losziehen. 

Die Tempelanlage Angkor Wat in Kambodscha ähnelt übrigens dieser Anlage in Struktur und Aussehen, nur ist diese hier viel viel kleiner. Es handelt sich hier heute um einen Shiva Tempel. Shiva ist der Hindu-Gott für Zerstörung und Wiederbeginn. Mit der universellen Energie Shivas erneuert sich alles und tritt damit in den Kreislauf von vergehen und Sterben, er ist sozusagen der Schöpfer allen Leben. Überall kann man hier die typischen steinernen Figuren wie Shiva oder Ganesha entdecken. 

Die über siebzig Tempel hier wurden in verschiedenen Jahrhunderten gebaut. 50 davon wurden während des Krieges zerstört oder beschädigt. Seit 2002 wird versucht die Anlage wieder in Stand zu setzen, um sie aus kulturellen Gründen zu bewahren. Kein Mensch weiß bis heute wie sie es schafften solch große Steinbauten ohne jegliches Fahrzeuge zu konstruieren. Der berühmteste Turm hier war 24 Meter hoch, bevor er 1969 durch Bombenangriffe der US-Army zerstört wurde. Zudem zeigen sich die bauten als massiv widerstandsfähig. Die ursprünglichen Steine sind zum Beispiel nicht von Moos bewachsen. Sie verwendeten hier eine Mischung darunter auch Vulkanstein zum Bau. Die Bauweise hier ist ziemlich einzigartig, denn sie ist fugenlos. Sie verwendeten für den Bau weder Zement noch andere Bindemasse, um die Steine zu verbinden. 

In der Tempelanlage werden wieder einmal Bobenfunde sowie Bombenkrater gezeigt. Daneben finden sich eine Reihe von Ausgrabungen alter Steinfiguren. Teilweise wird versucht die beschädigten Tempel zu restaurieren was zur Folge hat dass die restaurierten Bereiche von Pflanzen bewachsen werden. Die alten wie gesagt, sind einwandfrei ohne Moosbefall. In den alten Ruinen leben Spinnen und Schlangen. Teilweise sieht man ziemlich große Spinnennetze und alte abgestriftene Schlangenhaut. Manche Schlangen hier in Vietnam sind giftig. Man sollte sich vor ihnen insofern in Acht nehmen, als das man sich ihnen nicht zu nähern versucht, sondern still steht bis sie verschwinden. Die Tempel hier sind in verschiedene Komplexe aufgeteilt und so klappern wir einen nach dem anderen ab. Nach zehn Minuten Fußweg bin ich so kaputt wie von einer Stunde joggen. Ich bin sehr froh als es wieder zurück zum Bus geht und ich meine Coke Zero trinken kann. Dennoch ist die Besichtigung dieser Anlage enorm interessant. Die alten indischen Einflüsse hier insbesondere auf Nordvietnam durch die Champas sind historisch nicht zu unterschätzen. Siehste wohl, wieder was gelernt. Schön, jetzt abkühlen bitte. Danke.

[Mit dem Rucksack durch Vietnam 🇻🇳08.08.2017 – 28.08.2017]  Tag XIII 19. 08.2017  Hoi An – Hue

Heute geht es zu unserem nächsten Ziel zum 130 km entfernten Hue. Der Abwechslung wegen beschließen wir die Tour dieses Mal mit dem Scooter oder der Vespa zurück zu legen, wieder buchen wir das Unternehmen „Vespa Adventures“ denn sie bieten genau für diese Strecke einen geführten „Land und Leute“ Ein-Tages-Trip an. Unser Gepäck wird früh morgens abgeholt, den Rest nehmen wir einfach als Handgepäck mit. Auf der Vespa kann man bequem sitzen, das ist wichtig, denn wir werden heute ungefähr neun Stunden unterwegs sein. Natürlich sind Pausen eingeplant. Mit uns startet auch ein Pärchen aus Neuseeland den Trip, Ausgangspunkt ist Hoi An. Der Guide heute heißt Richard, mein Fahrer heißt Dao. Heute soll es wieder ziemlich heiß werden. Da ich rausgefunden habe dass mein Organismus besser darauf klarkommt, wenn der Großteil meiner Haut bedeckt ist, ziehe ich eine dünne Hose und eine Bluse mit langem Arm an. Die Sonne in Vietnam ist gnadenlos und den ganzen Tag auf der Vespa in der Sonne fahren ist daher eine kleine Herausforderung ohne Sonnenbrand davon zu kommen. Zusätzlich setze ich meinen Hut auf, und lege mir noch den schwarzen dünnen Schal um die Schultern, um ganz sicher zu gehen. Erstaunlich ist dass ich am Ende des Tages trotz dieser Verhüllung und Lichtschutzfaktor 50 an gebräunter Haut zugenommen habe. So stark ist die Sonnenstrahlung hier, sie dringt sogar durch die Kleidung. 
Los geht es in voller Geschwindigkeit über so etwas was man Bundesstraße nennen kann Richtung Danang, dort sind wir auch vor einigen Tagen mit dem Flugzeug gelandet. 

Den ersten Zwischenstop machen wir nach einer Dreiviertelstunde dort am Strand. Hier hat man einen tollen Blick auf eine der ersten weiblichen Buddhastatuen die es je gegeben hat. „Lady Buddha“ ist 67 Meter hoch, weiß und steht majestätisch auf einem kleinen Vorsprung der ins Meer hineinragt. Nach kurzer Fotosession (sie sind hier alle ganz wild auf gestellte Fotos) geht es weiter. Wir steuern langsam die erste Anhöhe an bevor es hoch auf den Wolkenpass (Hải Vân Pass) geht. Wir sind nun etwas im Ländlichen angekommen und trinken kurz einen Eiscafé. Der Kaffee wird hier stets sehr gesüßt und mit Kondensmilch angereichert serviert. 

Los geht es nun auf den Pass, er ist 21 km lang und beschreibt die Grenze zwischen Süd- und Nordvietnam. Wer von Hoi An nach Hue reisen will kommt nicht am Pass vorbei, es sei denn, er nimmt den Tunnel. Das geht auch, ist aber sehr langweilig. Der Pass liegt direkt im Gebirge und schlängelt sich serpentinmäßig zwischen Berg und Küste entlang. Mit Blick auf eine wunderschöne Lagune stoppen wir an einem großen Aussichtspunkt. Der Blick ist einmalig. Als wir erfahren dass in dem Lagunengebiet Leute leben die an Lepra erkrankt sind und die dieses Gebiet wegen Ansteckung der restlichen Bevölkerung nicht verlassen dürfen, ist das eine ziemliche Ambivalenz. Es fehlen Medikamente, die Menschen müssen warten bis sie versorgt werden. Und so liegt die Schönheit des Ausblicks mit dem Wissen der sterbenskranken Menschen dicht beieinander. 

Der nächste Stop wird der Gipfel des Passes sein, der mit alten französischen und amerikanischen Bunkern wieder einmal zum Erkunden einlädt. Der nette Dao hat große Sorge das ich zu wenig Fotos mache, der möchte mich stets zu einem Selfie oder einem Posieren vor der Kulisse des Berges bewegen. Wir fahren den Wolkenpass hinunter und machen kurzen Halt am Vorsprung des Berges, danach geht es zum Lunch in ein Seafood Restaurant was über den Fluss gebaut, auf Holzpfeilern steht. Hier kann man sein Essen noch lebendig im Aquarium oder Wasserbecken begrüßen und aussuchen. Ich falle da ja wieder raus und bekomme Rindfleisch mit Gemüse und Frühlingsrollen. Wir haben einen schönen Blick über den Seitenarm des Meeres. Es werden gefüllte Austern, Oktupus und Garnelen in Ananas serviert. 

Wir fahren nun wieder Richtung Strand und nehmen Kurs auf ein menschenleeres Fleckchen an dem ausschließlich ein paar Fischerboote auf dem Wiasser liegen. Momentan ist es bewölkt, das ist echt gutes Reisewetter, denn die Sonne brennt nicht so erbarmungslos auf uns nieder. Wir fahren nun von dort aus immer weiter von der Küste weg ins Hinterland über einsame Straßen. Reisfelder, Wiesen und Wassertümpel sowie hohe Schilfgewächse prägen die vorbeiziehende Landschaft. Immer wieder kann man Herden von Wasserbüffeln beobachten, die herrenlos herumlaufen und auch vor Straßen nicht wirklich Halt machen. Liegt eine Straße zwischen ihren Wiesen, laufen die seelenruhig hinüber ohne sich darum zu scheren, ob da grad ein Auto vorbeifährt oder nicht. Ich sag ja das die Tiere hier interessante Marotten haben. Wenn man sie fotografieren möchte schauen sie sehr interessiert. Ich wette sie würden uns auch gerne fotografieren, wenn sie könnten. 

Eine Weile fahren wir auf provisorischen Straßen durch kleine Dörfer. Die Einheimischen sitzen vor ihren Häusern im Schatten und harren der Hitze aus. Hunde und Katzen laufen herum oder liegen ebenfalls unter Bäumen im Schatten. Teilweise kommen die Kinder aus den hiesigen Schulen. Sie tragen eine Schuluniform mit weißer Bluse oder Hemd und rotem Halstuch. Auf dem Kopf eine rote Kappe. Die Hosen sind blau. Vietnamesische Kinder fahren sehr oft viel zu große Räder, die für Erwachsene. Dafür sind die total kompetent im Straßenverkehr und motorisch unheimlich geschickt. Die beherrschen das Fahrrad, auch wenn sie gar nicht auf dem Sattel sitzen können. Sie zeigen auch keine Angst wenn viel los ist auf der Straße. Sehr interessant ist das hier die Kinder zu beobachten wie die das alles so machen. 

Wir sind auf dem letzten Abschnitt unserer Reise für heute angekommen und besichtigen noch ganz kurz eine Tempelanlage die wieder mal vor Drachen und Einhörnern und Lotusblumen überquellt. Wir staunen auch nicht schlecht als sie uns auf den großen Platz einer Werft führen. Wir sollen mal einfach auf dem Gelände zwischen Sägewerk, Baumstämmen und Schiffskonstruktionen herumlaufen und uns umsehen. Okay, einfach mal so auf einer gefährlichen Baustelle rumrennen ist hier wohl völlig normal. Die Arbeiter auf den Schiffen arbeiten hart, beruhigend dass alles voller trockener Sägespäne ist und jeder zweite hier lässig eine Zigarette im Mundwinkel hat. Rauchverbot befinden sie hier nicht für nötig. Brandschutz nicht so ihr Ding hier, denk ich. Das Holz für ihre Schiffe bekommen sie übrigens aus Indonesien geliefert. 

Nach diesem Stop ist es Zeit sich zu verabschieden, denn wir sind mittlerweile nach neun Stunden in unserem Ziel Hue angekommen. Die Fahrer bringen uns noch zu unserem Hotel, in dem wir sehr herzlich mit Marakuja-Saft empfangen werden. Just in time setzt der Regen ein. Schluss für heute. Jetzt wird nur noch zu Abend gegessen und ausgeruht. Ein abwechslungsreicher Tag geht zu Ende.

[Mit dem Rucksack durch Vietnam 🇻🇳 08.08.2017 – 21.08.2017] Tag XII 18.08. Hoi An 

Neben dem Dörfchen in dem wir momentan Quartier haben liegt die Handelsstadt Hoi An. Sie besteht aus einer schönen Altstadt, in der es ab nachmittags verboten ist mit dem Roller reinzufahren. Wir schwingen uns jetzt selbst auf einen Roller und fahren heute Hoi An besichtigen. Hoi An ist berühmt für seine bunten Papier-Laternen oder auch Lampions. Zudem ist die Region hier bekannt für seine Seide. Das Wahrzeichen der Stadt ist die „Japanische Brücke“ Chùa Cầu (Brücke aus der Ferne). Sie ist wie die gesamte Altstadt seit 1999 UNESCO Weltkulturerbe und wurde 1590 von den Chinesen gebaut, um sie mit den japanischen Vierteln zu verbinden. Interessant ist zu sehen, wie auf der einen Seite ein steinerne Affe und auf der anderen ein Hund die Brückenenden bewachen. Der Sage nach soll der Bau der Brücke im Jahr des Affen begonnen und im Jahr des Hundes beendet worden sein. Beide Länder sind von der buddhistischen Religion sehr stark beeinflusst, Affe und Hund spielen in der buddhistischen Astrologie eine tragende Rolle. Hier herrschen 12 Tierkreiszeichen vor, die verschiedenen Jahreszahlen zugeordnet sind. Mein Tier wäre der Hund. Er steht für Loyalität. Ich wusste nicht, dass es im Buddhismus vier heilige Tiere gibt, die sich in jedem Tempel wieder finden. Es sind in der Reihenfolge der Drache, das Einhorn, die Schildkröte und der Phönix. Ich sage es ja, voll mein Land. Eine Kultur die Einhörner gut findet, die mag ich auch. Wer aber nun glaubt die Einhörner sähen hier aus wie wir sie kennen, als Pferde mit einem Horn auf der Stirn, der irrt. Ich suchte, nachdem ich das in Erfahrung gebracht habe die Tempel förmlich nach Einhörnern ab, und war enttäuscht weil ich keines gefunden habe. Bis ich einen der Guides mal fragte. Er erklärte, dass das Einhorn hier aussieht wie ein Löwe mit einer Haut aus Schuppen, wie sie für Drachen typisch sei. Ja, mit der Info habe ich sie dann natürlich überall entdeckt. Sie sitzen traditionell vor den Tempeln weil sie auch Loyalität symbolisieren. Loyalität- genau wie mein Tierkreiszeichen Hund – merkt ihr was? Tja, Einhornmädel eben ☺️ Drachen stehen symbolisch für Stärke und Schutz. Schildkröten stehen für Langlebigkeit und der Phönix steht für Schönheit. Diese vier heiligen Tiere sieht man zusammen in jedem Tempel, wenn ihr mal in Asien seid, achtet mal drauf. Anhand der Symbole kann man übrigens sehr gut die buddhistischen von den hinduistischen Tempeln und Schreinen unterscheiden. Da die Hindus hier von einer kleinen Minderheit den Chmpas vertreten sind, stößt man auch immer wieder auf hinduistische Bauten. Zu Beginn fand ich das ganz schön verwirrend, mittlerweile blicke ich ein wenig durch. 
Wir besichtigen wieder einen Tempel. Die Buddhisten bauen total gerne Schreine und Tempel, tun wir ja auch. Überall stehen bei uns Kirchen, Kreuze, Kathedralen und Kapellen rum. Da Buddhismus und Hinduismus keine monotheistischen Religionen sind, gibt es da auch mehrere Gottheiten die verschiedene erstrebenswerte Aspekte des Lebens symbolisieren. Oft erinnern mich die ganzen Götter und Symbole auch an die griechische Mythologie. Anthropologisch gesehen ist das enorm interessant sich mit dem jeweiligen Bild von Welt der verschiedenen Kulturen auseinander zu setzen. Da der Buddhismus eben nicht nur einen Gott hat, scheint er etwas universeller. Hier gibt es zum Beispiel auch keinen Himmel und keine Hölle oder so was, sondern den Kreislauf aus Wiedergeburt und Tod bzw. die Aufgabe der Überwindung des Leids durch Erkenntnis. Da Buddhismus und Hinduismus aus Indien stammen und ähnliche Begriffe verwenden, kann man sie schnell miteinander verwechseln. 

Wir schauen uns also nun diesen Tempel an, in dem man meint eine Diskokugel wäre explodiert. Alles glitzert in gold und knallig bunten Farben, Räucherspiralen hängen von der Decke und räuchern so vor sich hin. In ihnen sind kleine Gebete aufgehangen, man kann sich für einen Obolus also seine eigene Gebetsräucherspirale im Tempel sichern. Ablassbriefchen mal anders, denk ich. Der Mensch ist echt überall gleich verlogen im Umgang mit seinen erstrebenswerten Tugenden. Bei Kohle hört der Himmel und die Moral auf, keine Kohle kein Gebet. Sorry, Dude. Da musst du wohl zusehen wie du allein zur Erkenntnis kommst. Auch ein edles schönes Konzept von Transzendenz schützt nicht vor menschlichen Schwächen. Haben wir das auch mal abgehakt hier. Aber schön ist er ja, der Tempel. Raumgestaltung können sie, ist aber nichts für empfindliche schnell reizüberflutete Menschen. Der Tempel hier huldigt einem chinesischen König der mal auf See ein paar Leute gerettet hat oder so. 

Wir besichtigen heute zudem das original Handelshaus „ Nhà Tấn Ký “. Es ist ein traditionell sehr solide gebautes vietnamesisches Haus, das vor 200 Jahren gebaut und von sieben Generationen bewohnt wurde. Das Haus hat in der Zeit Überschwemmungen über vier Meter Wasserhöhe überstanden. Da Hoi An eine Küstenstadt ist kommt es ziemlich oft vor, dass sie bei starken Regen überschwemmt wird. Das letzte Mal suchte das Hochwasser die Stadt im Dezember 2016 heim. Ganz schön massives Bauwerk haben sie da, das Holz muss ein außergewöhnlich beständiges sein, ich habe leider nicht in Erfahrung gebracht welche Art Holz sie verwenden. 

Abends kann man hier einen Nachtmark besuchen und die berühmten Lampions erwerben die hier wirklich jeder anbietet. Eine schöne Tradition ist das Anzünden einer bunten Schwimmkerze die man dann im Thu Bon Fluss schwimmen lassen kann, um sich etwas zu wünschen. Ich lasse meine Kerze andächtig ins Wasser, mal sehen ob sich das was ich mir wünsche, auch nach mir sehnt.

[Mit dem Rucksack durch Vietnam 🇻🇳 08.08.2017 – 21.08.2017]Tag XI  17.08.2017 (Than Than) 

[Wie im Zoo 😉🙃🤣🦎🦀🐶🕷]
Vietnam ist ein lustiges Land. Hier leben Mensch und Tier eng zusammen. Wir teilen uns unser Apartment zum Beispiel mit Günther und Klaus. Die sind beide ziemlich in Ordnung. Günther ist ein Gecko. Der ist wirklich durch, ständig hat der Eskapaden mit Frauen, immer Drama und so, kriegt echt überhaupt nichts auf die Kette, aber kochen kann der wie ein junger Gott! Meine Herren, das hat er raus. Also jetzt im Ernst, der ist wirklich ok! Der erzählt tolle Geschichten, man kann dem Stundenlang zuhören. Ja, und Klaus ist die Kakerlake auf unserer Toilette. Morgens streckt der immer seine Fühler aus und wackelt damit so lustig hin und her, als wenn der sich freuen würde, dass endlich mal einer vorbei kommt um hallo zu sagen. Der ist zudem ein bisschen anstrengend weil der einen Putzfimmel hat, der schimpft öfter mal wenn wir nicht aufräumen und so. Ja. Außerdem bewacht hier den Hof eine echt gefährliche Hundegang, Walter ist der Boss. Klar, der hat alles im Griff. Der hustet und röchelt den ganzen Tag so vor sich hin, und erpresst Schutzgeld von armen Touristen dass sie nicht ausgeraubt werden. Die sind echt übel drauf die Typen, aber zu uns sind die cool weil wir denen immer vom Whiskey abgeben, den Saufnasen. Das ist echt Hölle, abends sitzen die hier alle zusammen und kriegen kein Ende, ich muss die alle regelmäßig ins Bett schicken. Die können sich aber auch nicht einmal zusammenreißen. Schlimm. Ja und ich habe ja noch nicht Kurt erwähnt. Wenn Kurt dabei ist kennen die keine Gefangenen. Das ist ein Krebs der hier regelmäßig angetippelt kommt, der will dann mitmachen in der illustren Runde. Das geht hier echt zu wie im Dschungelbuch. Mal sehen wen wir morgen in unseren Kreis aufnehmen. Und mal schauen ob sie uns dann auch endlich mal glauben dass Menschen auch sprechen können. Glauben sie nämlich nicht, die denken wir machen nur so komische Laute die keiner versteht. Schade. Na ja. Außerdem gibt es hier noch Horst. Horst wohnt nebenan und ist ein Hahn. Der ist echt verpeilt weil der offensichtlich Probleme mit dem Uhrlesen hat, oder auch unter mittlerweile jahrelangem Jetlag zu leiden hat. Jedenfalls kräht der wie ein Angestochener immer nur abends gegen Mitternacht. „Hey Horst, falsches Timing, bissl zu früh zum Krähen!“, aber der versteht ja kein deutsch, deshalb stört den das gar nicht was ich ihm der Unterstützung wegen rüber brülle. Also kräht er munter weiter um Mitternacht, so Gott will. Hier sind die Tiere echt ganz schön verhaltensoriginell, finde ich. 

So, ich muss los, Günther hat Beziehungsprobleme und will seinen Frust im Alkohol ersäufen. Er sagt immer „Kein Alkohol ist auch keine Lösung!“ – irgendwie finde ich den sehr weise unseren Gecko Günther. Geckos sind wohl von Natur aus so. So total weltoffen und klug. 

Echt gut dass man so nette Bekannte trifft auf der Reise, ich fühle mich wieder einmal wie zu Hause zwischen d n ganzen Bekloppten. 

[Mit dem Rucksack durch Vietnam 🇻🇳08.08.2017 – 28.08.2017]Tag X 16.08.2017 (Than Than)

Wir landen sehr früh auf dem Flughafen von Na Dang. Vietnamairlines bietet hier auch Inlandsflüge an, so war der Flug ziemlich bequem, die Airline kann ich echt empfehlen. 
Wir werden abgeholt und fahren zu unserer neuen Unterkunft die etwas weiter außerhalb in Than Than, ganz dicht neben dem kleinen Dörfchen Hoi An liegt. Es ist noch sehr früh am Tag und so kommen wir gegen acht Uhr in dem kleinen verschlafenen Nest an. 

Das Garden Homestay liegt direkt am Strand zwischen einer Anhöhe im Palmenhain. Ich komme mir sofort vor wie eines dieser verschollenen Kinder in „Die blaue Lagune“. So herrlich ist es hier. Man hört das Meer und die Grillen zirpen. Ich bekomme das Gefühl hier nicht mehr weg zu wollen. Vietnam angucken? Nö, wir können hier für immer bleiben. Ja, so machen wir das. 

Wir werden mit einem Marakuja-Drink begrüßt, und Gott sei Dank bekommen wir noch Frühstück, da mir seit vier Uhr nachts der Magen auf den Schuhen hängt. Hier kann man ein interkontinentales Frühstück wählen, und spätestens seitdem ich hier lese dass sie Pancakes mit Früchten servieren weiß ich das ich in meinem persönlichen Himmel angekommen bin. 

Die Dame an der Rezeption ist sehr nett, wie alle hier lächelt sie die ganze Zeit freundlich und erklärt uns alles. 

Das Garden Homestay bietet alles was man sich wünschen kann auf so einer Reise. Es ist ganz gemütlich und liebevoll gestaltet. Überall gibt es kleine Nischen zum Sitzen unter Palmen oder Hängematten in denen man die Seele baumeln lassen kann. 

Folgt man dem Pfad an der Rezeption vorbei steigt man einen kleinen Hügel hinauf und kann dann auf den weißen Strand blicken. 

Mein persönliches Highlight ist die kleine Nasszelle, die außerhalb unseres Zimmer angebracht ist, so wird ab heute im Freien geduscht. Abends kann man draußen auf der Terrasse in der lauen Abendluft sitzen und auf hoch gewachsenen Bambus schauen.

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