[Mit dem Rucksack durch Vietnam 🇻🇳 08.08.2017 – 28.08.2017] Tag V  12.08.2017 [Ho-Chi-Minh-City] 

Heute unternehmen wir eine Tour zur hiesigen Markthalle unseres Stadtteils. Die Markthalle ist nur ein paar wahnsinnige Gehminuten von unserem Hostel entfernt. Wahnsinnig weil ich den wahnsinnigen Verkehr hier ja schon erwähnte. Man kommt sich als Fußgänger wirklich vor wie ein kleiner Traffic-Partisane, überleben im Großstadtdschungel steht jetzt wieder ganz oben auf der Agenda. 
In der Markthalle angekommen bricht eune enorme Geräuschkulisse los, überall wimmelt es von Händlern, alle wollen sie natürlich etwas verkaufen. Alle wollen sie Kundschaft anlocken. Wir Europäer sind ein wirklich zurückhaltendes Völkchen, doch in Asien ist scheinbar nicht nur auf den Straßen der Teufel los. Nun ja, ich komme mir in kurzer Zeit so vor als würde ich unter enormer Reizüberflutung leiden. Überall glitzert Stoff, glitzern Schuhe und Hüte oder es winken die goldenen Winkekatzen. Ja. Hier scheint alles zu glitzern. Wenn jetzt noch ein Einhorn durch die Halle galoppiert wundert mich das auch nicht mehr. 
Ich bin auf der Suche nach bunten Flatterhosen. Aber ich traue mich nicht. Diese Händler stehen wie in den Startlöchern, bereit mich in ihren Stand zu ziehen – so scheint es mir – mich in Grund und Boden einzukleiden, vielleicht komme ich da auch nie wieder raus, denke ich. Sie quasseln auf mich ein und ich sagen immer nur „nein danke, nein, nein äh nein, ähm ja ne doch nicht“ oder auch „mal sehen, vielleicht später“. Auf englisch natürlich. Klar. 

So lieber Leser, jetzt muss du aufpassen, denn das was ich da vormache ist nicht empfehlenswert. Das sollte man so auf keinen Fall nachmachen. Denn so vermittelt man Unschlüssigkeit. Und Unschlüssigkeit ist hier eine Chiffre für „Mir kann man was andrehen und wenn es Sand in der Wüste ist, wenn man nur lang genug auf mich ein quasselt klappt das“.

Nun muss man wissen, das das Handeln und Werben hier zur Kultur dazu gehört, es ist völlig normal. Wer aber als typisch europäischer Touri denkt, dass sie sich hier die Klamottem für einen Appel und ein Ei aus den Rippen leiern lassen, der irrt gewaltig, sie sind ja schließlich nicht doof.

Daher kommt hier jetzt ein kleiner Exkurs zum Thema „Umgang mit Händlern und wie handelt man erfolgreich?“ 
Tip 1) 

Sei dir im Vorfeld klar darüber was genau du wirklich haben willst und was du suchst. Dann gehe los. Ja du darfst dich einfach abwenden, wenn sie alle auf dich einreden, gehe freundlich vorbei. Der nächste Käufer kommt bestimmt.
Tip 2) 

Laufe tiefer in den Markt hinein. Denn wenn du richtig eintauchst, wird das Werben weniger aggressiv, hier kaufen auch mehr Einheimische ein. Hier kannst du in Ruhe schauen und den Blick schweifen lassen. 
Tip 3) 

Hast du etwas entdeckt komme mit den Händlern ins Gespräch. Das mögen sie. Sie sind immer für Smalltalk aufgelegt, fragen woher man kommt und immer hat auch irgendwer einen Onkel in Good old Germany, meistens aus Stuttgart. Das ist kein Witz. So habe ich es auf allen Reisen erlebt. Immer hatte irgendwer einen Freund, dessen Freund, dessen Onkel, dem seine Katze und davon der Hamster, der hat mal im Stuttgart gewohnt. Sehr sehr lustig. Ja, hier macht es Spaß. 
Tip4) 

Du siehst schon. Es wird entspannter. Denn du musst begreifen, dass es ein Spiel ist. Ein Spiel der Interaktionen, man lacht, man feilscht man diskutiert. In orientalischen Ländern bekommt man auch schon mal Tee angeboten. Standardmäßig wird ein „Nein danke“ erst einmal ignoriert. Das macht aber nichts. Bleib entspannt bei deiner Linie, sie bleiben ja auch auf ihrer. Dies führt so dann und wann zu lustigen Dialogen:
„Miss, here the fans!“ 

– „No thanks“

„Miss, you need a fan, see here, a fan, please!“

– „No thanks a lot“

„Miss. Where are you from?“

„From Germany.“

‚Miss you need a fan, german miss with fan very pretty!“
Oder auch der evergren: 

„good quality, handmade!“ 
So, ich kürze es jetzt mal ab. Du könntest auch sagen, dass du noch Wurst im Raumschiff hast oder so. Es wäre egal, du kannst diesen Dialog nämlich null so beeinflussen wie du glaubst. Und ja, „handmade“! Das ist ziemlich witzig. Man kann zwar noch die Spritzgussnasen an den Plastikrändern erkennen, aber es ist alles handmade. Handmade ist wahrscheinlich damit gemeint, dass sie das Plastikgranulat eigenhändig in die Maschine füllten. 

Das falscheste was du nun tun kannst sind zwei Dinge: 

Erstens das alles zu ernst zu nehmen und zu meinen, du gehst hier auf jeden Fall mit einem Schnäppchen raus. Das wirst du nicht, es gehört zum Spiel das du das denkst denn nur so wird das Spiel für dich interessant, du bleibst somit am Ball. 

Bedenke immer, dass du hier erst einmal am kürzeren Hebel sitzt, auch wenn du das nicht glaubst und eine harte Erkenntnis ist. Dein Hebel in der Feilscherei ist ein ganz anderer, den zeige ich dir gleich! 

Zweitens: Beleidigtsein geht gar nicht! Bleib locker, hier will dich nämlich keiner veräppeln, das gehört alles zum Spiel. Wenn du es richtig witzig anstellen willst kannst du ja auch mal zurückfragen: „Is this actually handmade?“ oder sonst wie einen vom Pferd erzählen und das leitet uns direkt über zu Tip5. 
Tip 5) 

Jetzt geht es ums Eingemachte, um den Preis. Setzte für dich einen Maximalpreis im Kopf. Dann setzt du von dort aus möglichst niedrig an. Jetzt schaust du wie hoch der Preis getrieben wird. Mache also zuerst einen Preisvorschlag. Ja gerade hier soll es zugehen wie auf dem Basar. Du kannst sicher sein, du wirst den Händler niemals übervorteilen, das lässt er aus Existenzgründen gar nicht zu. Daher darfst du gewiss sein, wenn ihr euch an euer beider Grenzen getroffen habt, was ja optimales Ergebnis des Handelns ist, wirst du immer noch gut gezahlt haben. Und das soll ja auch so. Sie wollen an dir verdienen. Das ist völlig ok. Innerhalb ihrer gesetzten Rahmen darfst du aber alles vorschlagen und ausprobieren und unterbieten, das letzte Wort hat eh der Händler. 
Tip 6)

So, ich schrieb gerade von deinem Hebel. „Ja, was kann ich da nun machen, das ist ein doofes Spiel“, höre ich dich maulen. Ja, du kannst auch etwas tun und das nennt sich „Entscheidung mit den Füßen“. Ist dir ein Preis einfach zu hoch wendest du dich ab und gehst. Wenn da doch noch Spielraum besteht wird der Händler dir hinterher rufen. Wenn nicht, dann nicht. Let it all go. So ist das. 

Es ist ein kleines bisschen wie Poker, manchmal kollabiert das System, das gehört dann dazu. Macht nichts, so ist das, hier kann man nämlich nur gewinnen und zwar an kommunikativen Fähigkeiten. Finde ich. Also, nicht resignieren, weiter handeln, weiter probieren, Menschen lesen lernen. Das ist für mich die beste Beschäftigung auf der Welt und ein riesen Spaß. 

Das Kaufen an sich ödet mich persönlich ja an wie sonst kaum was anderes. Aber die Begegnungen hier sind immer wieder bewegend und eine tolle Erfahrung. Auch wenn ich zum Schluss fünf „handmade“ Fächer und drei Paar Schuhe in „good quality“ erworben habe. 

So betrieben die Menschen schon immer Handel um alles. Irgendwie doch toll, dass diese alte Sitte nicht aus der Mode gekommen ist. Soziale Kommunikation und Interaktion, gerade hier ein hochspannendes Szenario.

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