[Mit dem Rucksack durch Vietnam 🇻🇳 08.08.2017 – 21.08.2017] Tag XII 18.08. Hoi An 

Neben dem Dörfchen in dem wir momentan Quartier haben liegt die Handelsstadt Hoi An. Sie besteht aus einer schönen Altstadt, in der es ab nachmittags verboten ist mit dem Roller reinzufahren. Wir schwingen uns jetzt selbst auf einen Roller und fahren heute Hoi An besichtigen. Hoi An ist berühmt für seine bunten Papier-Laternen oder auch Lampions. Zudem ist die Region hier bekannt für seine Seide. Das Wahrzeichen der Stadt ist die „Japanische Brücke“ Chùa Cầu (Brücke aus der Ferne). Sie ist wie die gesamte Altstadt seit 1999 UNESCO Weltkulturerbe und wurde 1590 von den Chinesen gebaut, um sie mit den japanischen Vierteln zu verbinden. Interessant ist zu sehen, wie auf der einen Seite ein steinerne Affe und auf der anderen ein Hund die Brückenenden bewachen. Der Sage nach soll der Bau der Brücke im Jahr des Affen begonnen und im Jahr des Hundes beendet worden sein. Beide Länder sind von der buddhistischen Religion sehr stark beeinflusst, Affe und Hund spielen in der buddhistischen Astrologie eine tragende Rolle. Hier herrschen 12 Tierkreiszeichen vor, die verschiedenen Jahreszahlen zugeordnet sind. Mein Tier wäre der Hund. Er steht für Loyalität. Ich wusste nicht, dass es im Buddhismus vier heilige Tiere gibt, die sich in jedem Tempel wieder finden. Es sind in der Reihenfolge der Drache, das Einhorn, die Schildkröte und der Phönix. Ich sage es ja, voll mein Land. Eine Kultur die Einhörner gut findet, die mag ich auch. Wer aber nun glaubt die Einhörner sähen hier aus wie wir sie kennen, als Pferde mit einem Horn auf der Stirn, der irrt. Ich suchte, nachdem ich das in Erfahrung gebracht habe die Tempel förmlich nach Einhörnern ab, und war enttäuscht weil ich keines gefunden habe. Bis ich einen der Guides mal fragte. Er erklärte, dass das Einhorn hier aussieht wie ein Löwe mit einer Haut aus Schuppen, wie sie für Drachen typisch sei. Ja, mit der Info habe ich sie dann natürlich überall entdeckt. Sie sitzen traditionell vor den Tempeln weil sie auch Loyalität symbolisieren. Loyalität- genau wie mein Tierkreiszeichen Hund – merkt ihr was? Tja, Einhornmädel eben ☺️ Drachen stehen symbolisch für Stärke und Schutz. Schildkröten stehen für Langlebigkeit und der Phönix steht für Schönheit. Diese vier heiligen Tiere sieht man zusammen in jedem Tempel, wenn ihr mal in Asien seid, achtet mal drauf. Anhand der Symbole kann man übrigens sehr gut die buddhistischen von den hinduistischen Tempeln und Schreinen unterscheiden. Da die Hindus hier von einer kleinen Minderheit den Chmpas vertreten sind, stößt man auch immer wieder auf hinduistische Bauten. Zu Beginn fand ich das ganz schön verwirrend, mittlerweile blicke ich ein wenig durch. 
Wir besichtigen wieder einen Tempel. Die Buddhisten bauen total gerne Schreine und Tempel, tun wir ja auch. Überall stehen bei uns Kirchen, Kreuze, Kathedralen und Kapellen rum. Da Buddhismus und Hinduismus keine monotheistischen Religionen sind, gibt es da auch mehrere Gottheiten die verschiedene erstrebenswerte Aspekte des Lebens symbolisieren. Oft erinnern mich die ganzen Götter und Symbole auch an die griechische Mythologie. Anthropologisch gesehen ist das enorm interessant sich mit dem jeweiligen Bild von Welt der verschiedenen Kulturen auseinander zu setzen. Da der Buddhismus eben nicht nur einen Gott hat, scheint er etwas universeller. Hier gibt es zum Beispiel auch keinen Himmel und keine Hölle oder so was, sondern den Kreislauf aus Wiedergeburt und Tod bzw. die Aufgabe der Überwindung des Leids durch Erkenntnis. Da Buddhismus und Hinduismus aus Indien stammen und ähnliche Begriffe verwenden, kann man sie schnell miteinander verwechseln. 

Wir schauen uns also nun diesen Tempel an, in dem man meint eine Diskokugel wäre explodiert. Alles glitzert in gold und knallig bunten Farben, Räucherspiralen hängen von der Decke und räuchern so vor sich hin. In ihnen sind kleine Gebete aufgehangen, man kann sich für einen Obolus also seine eigene Gebetsräucherspirale im Tempel sichern. Ablassbriefchen mal anders, denk ich. Der Mensch ist echt überall gleich verlogen im Umgang mit seinen erstrebenswerten Tugenden. Bei Kohle hört der Himmel und die Moral auf, keine Kohle kein Gebet. Sorry, Dude. Da musst du wohl zusehen wie du allein zur Erkenntnis kommst. Auch ein edles schönes Konzept von Transzendenz schützt nicht vor menschlichen Schwächen. Haben wir das auch mal abgehakt hier. Aber schön ist er ja, der Tempel. Raumgestaltung können sie, ist aber nichts für empfindliche schnell reizüberflutete Menschen. Der Tempel hier huldigt einem chinesischen König der mal auf See ein paar Leute gerettet hat oder so. 

Wir besichtigen heute zudem das original Handelshaus „ Nhà Tấn Ký “. Es ist ein traditionell sehr solide gebautes vietnamesisches Haus, das vor 200 Jahren gebaut und von sieben Generationen bewohnt wurde. Das Haus hat in der Zeit Überschwemmungen über vier Meter Wasserhöhe überstanden. Da Hoi An eine Küstenstadt ist kommt es ziemlich oft vor, dass sie bei starken Regen überschwemmt wird. Das letzte Mal suchte das Hochwasser die Stadt im Dezember 2016 heim. Ganz schön massives Bauwerk haben sie da, das Holz muss ein außergewöhnlich beständiges sein, ich habe leider nicht in Erfahrung gebracht welche Art Holz sie verwenden. 

Abends kann man hier einen Nachtmark besuchen und die berühmten Lampions erwerben die hier wirklich jeder anbietet. Eine schöne Tradition ist das Anzünden einer bunten Schwimmkerze die man dann im Thu Bon Fluss schwimmen lassen kann, um sich etwas zu wünschen. Ich lasse meine Kerze andächtig ins Wasser, mal sehen ob sich das was ich mir wünsche, auch nach mir sehnt.

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