Achtsamkeit und Selbstliebe

Bild

„Du sollst dir kein Bildnis machen“ sagte Max Frisch. Ich finde das aber schwierig. Wie soll das denn gehen? Ist es nicht eine Form der Welt-Erschließung sich erst einmal von allem ein Bild und eine Form zu machen?
Manche Menschen haben die Gabe dich zu sehen. Das bedeutet, dass sie dich wirklich erkennen, so wie du bist. Das sind in der Regel Menschen die selbst sehr aufgeräumt sind, sich innerlich so sortiert haben, dass sie ihre Innenwelt unter Kontrolle haben.

Sie können zwischen eigenen Projektionen die Konzepte, Wünsche und Bilder über die eigene Innenwelt beinhalten, und der Außenwelt die damit gar nichts tun hat, unterscheiden. Ein Mensch der in der Lage ist seine eigenen Konzepte und Denkweisen als das zu erkennen was sie sind, nämlich Kategorien die in Bild und Wort geistige Manifestationen seiner Innenwelt bzw. Identität sind, ist in der Lage sich nicht weiter mit ihnen zu identifizieren sondern sein eigenes Ich fernab dieser Kategorien zu erschließen. Man ist nicht seine Vergangenheit. Man ist das was einen jetzt dazu befähigt mit sich und der Welt umzugehen. Deshalb können Menschen die das aushalten nur andere Menschen anziehen die ebenso sind. Und genau die sehen dich. Der Rest sieht zum größten Teil nur sich selbst. Die meisten Menschen arbeiten an dir das ab was sie nicht bewältigen können. Das ist normal, das tust auch du, das passiert in Beziehung so. Es ist aber wichtig das zu wissen und sich daraus entwickeln zu wollen. Denn nur dann übernimmt man die volle Verantwortung für seinen Teil der Geschichte.

Das zu verstehen, das man die Welt in erster Linie so denkt wie man selbst ist bedeutet wachsen. Erst dann beginnt man alte Muster zu verlassen. Die Jahre davor wirden nur in Endlosschleife wiederholt was nicht zu ändern ist.

Ist man angezogen von etwas oder einer Person, sagt das was wichtiges über dich aus, genauso wie umgekehrt. Erst später lernen wir diese Muster zu erkennen, zu verlassen und zu verstehen, dass uns Trigger und Muster so empfinden lassen wie wir es tun. Die Welt ist nämlich einfach so wie sie ist, ohne dein Zutun. Gut und Schlecht sind da nur menschliche Kategorien.

Wir entdecken, dass das was wir für Liebe gehalten haben in Wirklichkeit keine war. Oder das uns Wut und Trübsal nicht mehr im Griff haben weil wir unbeteiligt sind an den Brandherden die andere verursachen. Bestenfalls lernen wir Menschen loszulassen oder zu meiden die uns schaden wollen und uns denen zu nähern die uns wachsen lassen. Wir erkennen wo wir wirklich satt werden und bei wem wir den Hunger der kindlichen Entbehrung weiter vollziehen, weil es so gewohnt und damit stabil ist. Wenn man das alles erkannt hat dann geht der Prozess der Entwicklung los. Und dann erst kann man langsam andere Menschen beginnen wirklich zu erkennen. Vorher nicht weil sie da entweder Feind oder Erfüllungsgehilfe eigener Bedürfnisse waren. Und manchmal, wenn man wirklich lange wartet und sich mühsam durch den ganzen biografischen Mist gekämpft hat, trifft man jemanden der das kann. Dich sehen.

Oder du bemerkst die die dich schon immer so gesehen haben wie du wirklich bist, nur konntest du es nicht erkennen. Ein Bild zurück geworfen zu bekommen ist nicht immer schlecht. Es kann einem helfen zu heilen und zu erkennen wer man eigentlich wirklich ist. Und das ist dann Liebe. Wenn man sich ohne Ego erkennt.

Danke an P.K. für die schöne Zeichnung

10 Kommentare zu „Bild

  1. Vielleicht müssen wir nur anders schauen, liebe Sarah.

    Die „Sache“ mit dem kein Bildnis machen findet sich ja um einiges früher …
    und in die gleiche Kerbe schlägt ja auch der „kleine Prinz“.
    Und um tiefer zu schauen, bedarf es eben nicht (immer) der Augen.
    Doch dafür müssen wir, so als Grund-Einstellung auch erkennen wollen,
    so offen und eben auch „wie die Kinder“ – fern von vorgefertigten, konditionierten und verstärkten Betrachtungsmustern,
    welche leider immer noch und gerade heutzutage nur oberflächlich, wie ein- und ausgrenzend sind.

    Tja, und die „Sache mit der Liebe“ … – haben wir sie vergessen, verlernt
    oder ist uns eine verdrehte und beschnittene Version von „Liebe“ in den letzten Jahren, Jahrzenhnten „verkauft“ worden???

    Dabei gibt es eine tiefe, offene und allen zugängliche, wie verständliche „Definition“:

    Die Liebe ist langmütig und gütig,
    die Liebe beneidet nicht,
    die Liebe prahlt nicht,
    sie bläht sich nicht auf;
    sie ist nicht unanständig,
    sie sucht nicht das Ihre,
    sie lässt sich nicht erbittern,
    sie rechnet das Böse nicht zu;
    sie freut sich nicht an der Ungerechtigkeit,
    sie freut sich aber an der Wahrheit;
    sie erträgt alles,
    sie glaubt alles,
    sie hofft alles,
    sie erduldet alles.
    (1 Kor 13,4–7)

    Es gibt eine Menge zu entdecken und zu leben!

    Alles Liebe,
    Raffa.

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