Kein Text über Liebe

Kein Text über Liebe: Valentinstag

Eine Abrechnung mit dem Kitsch

Der offizielle Herzschmerz-Sülz-Tag. An dem die Klischees zuckrig von jeder Karte springen, und Versprechen leichter denn je über die Lippen gehen. Blumenläden machen das Geschäft des Jahres, und Tankstellen auch. Da kann man im Notfall doch noch schnell eine Packung Pralinen für die Frau daheim abgreifen, oder? 

Valentin ist ein schöner Name. Muss man ihn für solch einen Tag reservieren? Im Zeichen der Liebe? 

„Die Liebe“ gibt es sowieso nicht. Ich habe mal gehört sie sei nur ein Wort. Genauso wie Einhorn. 

Und die gibt es ja auch nicht. 

Oder Ramontik, nein Romantik, so. Was soll das denn bitte sein? Bin ich romantisch, wenn ich das tue was mein Herz mir sagt, den Moment spüren will, ohne viel Schieschie? 

Wahre Liebe braucht keine großen Gesten. Oder Drama. Oder Sehnsucht. 

Das ist keine Liebe. Das sind bloß unerfüllte Kindheitsphantasien nach bedingungslosem Halt, oder der ultimativen narzisstischen Spiegelung, der maximalen Bestätigung bis zum Get no. Ab dem Erwachsenenalter leider aus. Gibts nicht mehr. It’s over. 

Wer sagt das eigentlich den ganzen Paar-Shippern und Elite-Suchenden? Dass es irgendwie nicht darum, geht den besten Spiegel zu finden bei der Partnersuche, denn genau das bedienen diese Plattformen nämlich? 

Liebe passiert im Kern. Zwischen Zweien, oder Dreien oder Vieren, was weiß ich. Liebe entsteht, wenn man sich im anderen sehen und erkennen kann, in Demut und Respekt vor dem Leben und allem Lebendigen den Tag beginnt. Im Lachen und im Weinen des anderen das Glück der Erde oder den Welten-Schmerz spürt. Das ist Liebe. Sie zeigt sich im Beistehen, Mitfühlen, einander halten und auch aushalten, dass es manchmal nur einen Arm zum Trost braucht, und keine tausend Worte oder Geschenke. Sie zeigt sich in Loyalität ebenso wie in kurzen Augenblicken der Zärtlichkeit. 

Und vor allem zeigt sie sich in der Liebe zu sich selbst. Wer ist denn in der Lage sich selbst zuerst einmal das zu geben, was man vom anderen haben will? 

Bzw. wer denkt denn schon daran, erst einmal sich selbst zu heilen, sich selbst aufzuräumen und an der eigenen Liebes-Fähigkeit zu arbeiten, bevor man in der freien Wildbahn auf andere ähnlich Verzweifelte und Lädierte losgelassen wird?

Dass es wichtig ist sein eigenes Licht zu scheinen, um es dann später, wenn es ruhig brennt und nicht mehr wild flackert, zu teilen? 

Liebe ist so leise. 

Liebe ist!  

Und ihr macht daraus einen Firlefanz-Tag für exitement-geile Egomanen, die sich daran erinnern mögen, alle modernen Klischees und Bilder einer sehr engstirnigen Gesellschaft zu bedienen. 

Ein Tag, der uns eintrichtert, wirklich glücklich bist du nur mit Partner! 

Und das stimmt einfach nicht. Das ist grundlegend falsch. Wir alle werden alleine geboren und werden alleine sterben und wir verbringen die ganze Zeit zu 100 Prozent zunächst mit uns. Und da ist es doch am wichtigsten erst einmal mit sich selbst ALLEIN glücklich zu werden, oder? 

Darüber sollte mal nachgedacht werden, finde ich. 

Aber bitte nicht laut sagen, besonders nicht heute.

Also dann: Happy Dingens- „Ich habe den einen gefunden und bin kein verzweifelter Single mehr, und passe in jede Erwartungen – Tach. 

Ich zeige dem Tag jetzt gepflegt einen Finger meiner Wahl, und penn‘ noch ne Runde.

Tschüß. 

(Sultanine-Archiv 2013)

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