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Guten Wind von hinten …

Ich bin ganz schlecht darin Menschen wirklich aus meinem Leben zu streichen oder aufzugeben. Das ist etwas, was ich gar nicht gut kann und total vermeide. Ich glaube an Beziehungen und an Verbindung, meist sehr sehr lange, auch dann, wenn man gar nichts mehr erwarten kann von ihnen. Das ist das Thema dieser Woche: Menschen, die einfach nur noch Karteileichen sind im Handy-Speicher. Von denen nichts zu erwarten ist, die einem einfach nichts mehr geben, weil sie sich einfach gar nicht melden, nicht kümmern und nicht um einen scheren. Und deshalb habe ich heute einen Kontakt von einer damaligen sehr guten Freundin gelöscht. Ich habe es tatsächlich getan. Ich habe so was noch nie getan, eine Nummer von einem Menschen einfach so gelöscht. In Wut und in Rage mal jemanden raus-schmeißen das kann ich gut, aber so wirklich entschlossen, nüchtern und rational vernünftig zu sagen: Nö, da habe ich jetzt keine Lust mehr drauf, da will ich noch nicht mal mehr die Tür offen halten“ das hatte ich noch nie. Das fühlt sich auch komisch an. Aber irgendwie gut. „Eine Herzens-Freundin von mir sagte grad: Weißt du, Sarah, wenn man liebt, dann liebt man so ganz. Ganz oder gar nicht!“ Und da hat sie eindeutig Recht. Ich habe keine Lust mehr auf Menschen zu warten, die einfach nicht in meinem Leben bleiben wollen. Die es lieber vorziehen einfach unter zu tauchen und sich tot zu stellen. Da schwindet bei mir jetzt so allmählich die Geduld gegen null. Es hat lange lange gedauert, bis ich an diesen Punkt gekommen bin, 39 Jahre um genau zu sein aber diese Woche ist genau das mein Thema: Menschen, die nur so halb oder so gar nicht zum eigenen Leben gehören und da denke ich mir: Wenn sie nur so halb da sind, sind sie nicht ganz da und damit ist die Sache für mich dann erledigt. Das spricht dann einfach für sich selbst und fertig ist die Laube. Mich zieht das nämlich runter. Menschen, auf die ich nicht zählen kann, die immer wieder weg sind, sich rausziehen, sich verkriechen ohne ein Lebenszeichen, die brauche ich einfach nicht. Die können getrost wegbleiben, denn mir zieht das Energie, weil es mir weh tut. Es tut weh immer wieder zu spüren, dass da einfach kein Interesse ist, obwohl ich es mir doch wünsche. Es tut weh zu spüren, da kommt nichts zurück., egal wieviel ich da rein gebe, wie oft ich mich melde und so weiter. Solche Verbindungen sind flach. Und flach habe ich im heutigen Zeitgeist genug. Ich mag es nicht flach. Wer mit mir nur so weit geht, bis mal der Weg ein wenig steiniger wird, wo man mal aus seiner Komfort-Zone raus kommen muss, wo man sich mal Zeit nehmen muss oder auch mal sein Ego zurückstellen muss, um den Kontakt zu suchen, wo immer nur ich diejenige bin die hinterher rennt, ne. Das ist mir zu flach und eindeutig zu viel Energie-Verschwendung. Es gibt einfach wenig Menschen, die wirklich gehen, sich wirklich intrinsisch ins Zeug legen für die Kontakte und Verbindungen zu Menschen, die ihnen lieb sind. Intrinsisch, aus sich selbst heraus motiviert und Lust darauf zu haben und dafür auch Unbequemes in Kauf nehmen. Das gibt es einfach nicht mehr in unserer Zeit. Da kriegt man ja auch alles Kau- und Mundgerecht bequem per sozialen Netzwerken auf den Rechner serviert. Da braucht man auch keinen echten, nahen, persönlichen und intimen Kontakt, wenn man doch immer wieder sieht was die Sultanine gerade macht. Da kommt kein vermissen auf und auch kein Interesse, weil sie ist ja da. Greifbar, so meint man. Das suggerieren einem diese asozialen Medien. Das kommt noch hinzu. Ich habe kein Bock drauf, das sage ich ganz klar. Meine Werte sind da eindeutig ganz anders gelagert. Ich war da auch schon immer anders gepolt als der meiste Rest in meiner Umwelt. Ich war schon immer total motiviert und kommunikativ und bemüht um die Menschen um mich herum. Geht mir völlig ab zu glauben, dass gute Freundschaft einfach so auf dem Baum wächst. Ich brauche Kommittent, Verbindlichkeit und Zuverlässigkeit. Nur so entsteht bei mir Vertrauen, alles andere ist für mich einfach zu flach. Das brauche ich nicht an der Stelle.

Sorry. Das ist einfach mein Lernen. Ich kann nur mit Verbindlichkeit und Zuverlässigkeit und Kommittent. Alle anderen müssen dann eben gehen. Sie tun es ja auch schon ganz von alleine, bitteschön, ich halte sie nicht auf. Guten Wind von hinten. Danke und guten Weg. Dann scheiden sie sich nun einmal. So ist das Leben.

Ps: und ich prüfe das lange, ob ich jemanden raus schmeiße. Jahrelang. Schau ich mir das an. Aber irgendwann. Irgendwann reicht es auch …Ich muss auch nicht jeden abholen und retten …

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Ich glaube, 2022 wird ein volles Jahr…

Das Jahr ist gerade mal 10 Tage alt und gefühlt schon fast verplant. Der Januar voll, Februar März gut gefüllt.

Dieses Jahr stehen diverse Projekte an und weil ich nun mal Routine und Langeweile hasse, sind die alle recht vielfältig.

Das wichtigste ist, dass ich mich entschlossen habe eine Ausbildung zur Psycho-Therapeutin mit dem Schwerpunkt Sexual-Therapie/ Paartherapie zu machen. Das wäre dann meine vierte, passt aber super gut zu den Vorherigen und würde meinem neuen Wirken ein neues Gewand geben. Ich kehre wohl zurück in die therapeutische Arbeit, jetzt aber in neuer Ausgestaltung. Es werden nicht mehr Kinder mit Entwicklungsstörungen oder Verhaltensauffälligkeiten sein um die es sich dreht, es werden Erwachsene sein, die zukünftig aus meinem bunten Methoden-Koffer profitieren werden. Yoga und yoga-Therapie kommen noch hinzu. Außerdem werde ich Frauen-Kreise organisieren und in Seminar-Struktur leiten.

Dann hab ich noch meine Bücher in der Schublade, deren Veröffentlichung nun schon so lange warten musste. Irgendwie bin ich gefühlt schon total ausgebucht mit all den Projekten. Schließlich arbeite ich noch an einer Podcast-Idee für mein neues Business. Mal sehen. Es wird bestimmt gut. Aber auf jeden Fall nicht langweilig. Langeweile kommt bei mir auch irgendwie nie auf 😅😂

Ich freu mich schon auf meine neuen Projekte und meine neue Arbeit und hoffe doch sehr, mich nicht zu verzetteln. Denn schön und achtsam leben und es sich gut gehen lassen, gehört schließlich auch dazu.

Ich hoffe auch sehr, dass meine Bücher nicht schon wieder hinten runter fallen bei all dem Gewusel hier. Aber eigentlich mag ich das. Eigentlich bin ich auch so. Flippig und immer mit irgendwas beschäftigt. Und super schön, dass ich den Komfort habe, alles gut und in Ruhe nach meinen Bedürfnissen auszugestalten. Mein Weg war noch nie ein Gewöhnlicher. Er bleibt einfach unkonventionell und sehr eigenwillig, alles darf sich entfalten, was sich entfalten will… so ist sie, die Sultanine. Eigenwillig und kreativ. Lässt sich auch hier nichts vorgeben oder vorsagen und sucht sich den ganz eigenen Pfad durchs Leben. Find ich super so was.

Ich bin einmal ganz schön gespannt, was das wieder so gibt hier mit mir 🤩😍

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Achtung Baustelle 🚧

Diese Funktionen alle hier bei WordPress, ich hab sie auch nach acht Jahren nicht geschnallt. Deshalb ist das Menü kein richtiges Menü, sondern Baustelle. Es funktioniert nicht wie es soll. Die Menüpunkte führen noch nicht zu den einzelnen Seiten. Sehr kompliziert…
Das braucht noch. Wird aber. Sultanine arbeitet grad an mehreren Stellen gleichzeitig an ihrem BUCHSTABENLIEBE-Projekt.
🙏🏻❣️

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Musik: Shallow – (Untiefen) Lady Gaga / Bradley Cooper

Heute mal Musik:

Was bin ich beeindruckt von diesem Song. Und Wahnsinn, wie sehr er mir aus der Seele spricht.

Lyrics:

Tell me somethin‘, girl
Are you happy in this modern world?
Or do you need more?
Is there somethin‘ else you’re searchin‘ for?
I’m falling
In all the good times I find myself
Longin‘ for change
And in the bad times I fear myself
Tell me something, boy
Aren’t you tired tryin‘ to fill that void?
Or do you need more?
Ain’t it hard keeping it so hardcore?
I’m falling
In all the good times I find myself
Longing for change
And in the bad times I fear myself
I’m off the deep end, watch as I dive in
I’ll never meet the ground
Crash through the surface, where they can’t hurt us
We’re far from the shallow now
In the shallow, shallow
In the shallow, shallow
In the shallow, shallow
We’re far from the shallow now
Oh, oh, oh, oh
Whoah!
I’m off the deep end, watch as I dive in
I’ll never meet the ground
Crash through the surface, where they can’t hurt us
We’re far from the shallow now
In the shallow, shallow
In the shallow, shallow
In the shallow, shallow
We’re far from the shallow now

 

Einen schönen Sonntag 🌸☀️

 

Allgemein · [BUCHSTABENLIEBE]❤️

Mein Bündel

Ich bin dieser Tage sehr langsam unterwegs, ich weiß, es ist mühsam neben mir herzulaufen. Meine Schritte wanken, sind tapsig und dennoch. Ich gehe weiter.

Mit diesem Bündel in meinen Armen.
Ich darf es nicht fallen lassen.
Nun schläft es.
Endlich.

Es ist endlich Ruhe. Es hatte bis vor der letzten Häuserecke noch schrecklich getobt, geheult und gekreischt. Ich dachte es brüllt die ganze Straße zusammen.
Mir war es schon recht peinlich. Da schauen doch die Leute wie erstarrt und beschämt zu gleich zu diesem Theater was man da hinter sich herzieht.

Das Bündel wollte nicht.
Es wollte einfach nicht aufhören zu schreien. Es klopfte mit kleinen Fäusten auf den Boden, weinte bitterliche Tränen und schrie.
Dermaßen laut.
Ich kannte das ja schon. Dieses Bündel da taucht immer dann auf, wenn es mir vermeintlich gut geht. Und immer dann wenn ich es am wenigsten vermute, setzt es sich trotzig auf meinen Kopf.
Je mehr ich versuche es zu beruhigen, auf es einzureden, nichts.
Es wird immer schlimmer.
Ganz empfindlich reagiert es, wenn ich versuche es zu ignorieren. Dann kann ich mich warm anziehen, oh ja, dann brauche ich mir für die nächsten Tage nichts mehr vornehmen, denn es richtet ungeheuerlichen Schaden an.

Verstehen Sie mich nicht falsch. Ich gebe nicht dem Bündel die Schuld an Allem. Ich bin ja selbst mittlerweile darüber klar, dass das Bündel machen konnte was es will, weil ich nicht eingriff. Weil ich nicht hinsah.
Es tat einfach zu weh. 34 Jahre dieser Kampf mit einem noch nicht mal ein Meter großen Mensch. Und dieser Mensch hat Kraft.
Es hat 34 Jahre gedauert bis ich endlich verstanden habe, wo denn nun meine Kraft eigentlich immer hinging. Ich war über beide Ohren damit beschäftigt dieses Bündel zu ignorieren. Ich wollte es nicht hören. Nicht sehen. Nicht gewahr haben. Dass es nun mal da ist. Und niemals weg geht von mir.
Ich habe wirklich alles versucht.
Bin im Kampf mit ihm immer völlig erschöpft nieder gegangen, und war voller Trauer und Gram.
„Du, Bündel, geh doch endlich weg!“
Aber das tat es nicht.
Ich wand mich zu allen Seiten bis es nicht mehr ging.

Ich trage da neuerdings etwas auf meinem Arm.
Ich habe es gefunden.
Bzw. Es hat mich gefunden. Im Grunde stolperte ich schon mein Leben lang darüber.
Mein Bündel.
Es ist meins.
Wow.
Es ist meins. Ach so. Das Bündel beruhigt sich, wenn ich es sage.
Es wird ruhig, wenn ich stehen bleibe.

Es war an einem Wintertag, kurz vor Weihnachten.
Ich hielt es nicht mehr aus und schaute einfach hin. Diesem Bündel, mitten in sein verrotzt und verheultes Gesicht.
„Was willst denn du von mir, was?“, brüllte ich es an.
Und es starrte zurück. Klein, wilde mittelblonde Haare, knapp zwei Jahre alt. Es starrte und starrte mich aus seinen großen Kinderaugen an.
Und dann setzte es an:„ Warum hast du mich allein gelassen?“
Und ich sagte das erste Mal nichts.
Ich schwieg.
Und das Bündel konnte auch nicht viel mehr sagen, was soll man auch erwarten von einem zweijährigen Mädchen. Es war wahrscheinlich das schlauste was das Kind jemals über die Lippen bringen würde.
Ich sah in dieses Kindergesicht und verstand erst nicht was es meinte. Ich wollte dieses Mädchen mein Leben lang loswerden und nun fragt sie mich warum.
Himmelarschundzwirn ist dieses Bündel zäh!
Ich hockte mich neben sie. Ich war ziemlich stolz auf mich, das ich das überhaupt konnte.
Nun schaute ich sie an.
Und dann nahm ich ihre Hand, und spürte mit einem Mal den ganzen Schmerz und die ganze Traurigkeit der Welt in ihrer Seele. Oh wie bekannt kam mir das vor.

Und plötzlich erkannte ich mich.

Ich hatte sie vergessen. Ich wollte sie loswerden, denn dieser fragile und beschädigte Anteil meiner Kindheit, meines Lebens, dieses Bündel, es war zu schrecklich als mitgenommen zu werden.
Ich ignorierte es lieber. Und hoffte, dass er sich in Luft auflösen würde. Ich wollte das alles vergessen.

Ich streckte mich aus und begriff, dass ich mutig genug war dem Mädchen ins Gesicht zu sehen. Ich hatte den Mut es anzuhören und nicht weiter fortzulaufen. Und ich begriff, dass dieses Mädchen niemand trösten kann, niemand allein außer mir selbst.
Also machte ich meine Arme weit. Mir war klar, dass es jetzt um alles ging, um die Entscheidung, ob ich mein Leben von einem brüllenden,verletzten, sich allein gelassenen Kind bestimmen lassen wollte, oder eben von mir und meinem starken Ich.

Und so schmiegte es sich an mich. Ich legte meine Arme herum.
Ich weiß, ich werde es niemals heilen können. Aber tragen, trösten und es willkommen heißen, in mir, das kann ich.
Also stand ich eben auf und ging weiter.
Immer mit einem wachsamen Auge, auf das Mädchen in meinem Arm.
Es ist nun in Sicherheit. Auf der Straße ist alles still.
Nur ab und zu, da laufe ich ein wenig langsamer, denn das Mädchen braucht an manchen Tagen meine volle Aufmerksamkeit.
Und das ist ok so.
„Komm“, sage ich dann „ Ich trage dich ein Stückchen!“

Zum Thema „Heilung des inneren Kindes“ empfehle ich das Buch von Stefanie Stahl „Das Kind in dir muss Heimat finden“

Link zum Interview über das Buch: https://www.youtube.com/watch?v=EGckpW_tk1w

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Von der Freiheit, die auszog das Lieben zu lernen

 Freiheit und Liebe sind ja schon so richtige Totschlagworte. Einmal in den Mund genommen, nutzen sie sich ganz leicht ab. Auf den ersten Blick scheinen sie sich doch ziemlich voneinander zu unterscheiden
Wenn ich so darüber nachdenke und meine bisherigen gesellschaftlichen Erfahrungen zu diesem Thema resümiere, stelle ich fest: Liebe und feste Partnerschaft werden im Gemeinhin nicht so schnell mit Freiheit in Verbindung gebracht. Eher im Gegenteil. 

Wer kennt nicht diese Leute, die sich auf Junggesellenabschieden ne Knastkugel ans Bein binden, damit über den Marktplatz ziehen, und einen gestreiften Anzug tragen mit der Aufschrift: „Karsten und Barbara – für immer lebenslänglich“? 
Die Konvention sagt doch, dass Frauen in der Regel Stress damit haben ’n Typen zu finden, der sie recht schnell heiratet, und Typen gar nicht schnell genug über alle Berge flüchten können. Und wenn, dann doch so mit gefühlten Mitte vierzig zwei Menschen vor dem Traualtar aufkreuzen, wird das so abgetan, als wenn da doch irgendeiner den Anderen dazu gezwungen haben muss. Das macht doch kein Mensch freiwillig. Sich fest binden, in guten und schlechten Tagen und dann auch noch heiraten. Wo kämen wir mit unserem Individualitätsfetisch denn dahin? Wir, die „Generation Y“ (Jo man…) finden uns in der Regel erst einmal alle selbst viel zu geil, um sich an einen anderen zu „verschwenden“. Wie oft höre ich „Ich warte bis was sich was Besseres auftut!“ ?

Eine feste Beziehung bedeutet unter jungen Menschen oft: Regeln akzeptieren, sich beschränken, abhängig sein. Keine Freiheiten mehr zu haben.
Ist das so? Gibt derjenige der liebt seine Freiheit auf? Wie viele Menschen haben davor solch eine Angst? So viel Angst, dass es in vielen Beziehungen, um eine gelebte gemeinsame Einsamkeit geht, in der man sich suggeriert ja ach so unabhängig zu sein? Ist das nicht Selbstbetrug, oder Selbstquälerei, indem man sich freiwillig in eine wie auch immer geartete Zweisamkeit begibt, die einem immer wieder schmerzlich bewusst macht, dass es nie alles auf einmal geben kann? Dass Freiheit und Liebe eben doch nicht zusammenpassen, und man als aufgeklärter realitätsliebender Mensch damit schließlich umzugehen hat. 
Solche Annahmen führen doch zu emotionalen Notsituationen, in der die Menschen innerlich vor lauter unerfüllter Sehnsucht verlegen und Hilfe suchend von einem auf das andere Bein springen weil der eigene Boden zu heiß geworden ist. Dann wird sich in verschiedenster Art und Weise darüber ergangen wie schwierig doch eigentlich alles ist und dass immer irgendetwas problembehaftet ist im Staate „Beziehung“. Und so drehen sich Beteiligte immer und immer wieder im Kreis, weil sie der Annahme sind: Ich brauche meine Freiheit, will aber auch geliebt werden.
Grundsätzlich liegt da in meinen Augen sehr häufig ein Denkfehler vor: 
Die beiden Liebenden gehen von vorn herein davon aus, dass sobald die Beziehungstür durchquerten, man doch bitte gleich seine eigene Individualität an der Garderobe abgeben muss. Und das dann das „Wir“ beginnt. Das große und überdimensionale angst einflößende „Wir“.Und das ein „Ich“ für sich alleine das „Wir“ in irgendeiner Form gefährden könnte. „Ich“ und „Wir“ sind in dem Fall die Analogien zu Freiheit und Liebe. So wird es oft betrachtet und gelebt. Es heißt, dass wir keine persönlichen Anteile mit in unsere Beziehung bringen sollten, die das Beziehungsnetz nicht aushält, sprich: Die dem Anderen nicht gefallen könnten, die das zarte Gespann über-spannen könnten. Man findet sich bereitwillig damit ab den größten gemeinsamen Nenner zu finden, damit es keine Probleme gibt. Denn ein „Wir“ braucht Nähe, Zuspruch und Anerkennung. Und keine Widersprüche! Wie sollte es sonst existieren? Wenn dies nicht der Fall ist, fühlen wir uns doch abgelehnt. Und das muss um jeden Preis vermieden werden! Wir wollen in die Symbiose, zurück in den Mutter-Schoß, denn da gibt es keinen Zweifel, nur die absolute Sicherheit und Annahme. Dort, meinten wir, frei zu sein, denn völlige Freiheit muss auch bedingungslose Liebe heißen. 

Ja, ist das so? 
Aber ist das frei sein? Ist man frei, wenn man „Eine –Person-sein- spielt“? 
Was passiert da nämlich? 

Ganz einfach, das Gerüst der Symbiose schwankt sobald jemand seiner Individualität nachgeht. Heißt im Klartext: Es ist maximal unflexibel und starr. Nichts darf sich verändern oder bewegen. Denn sobald jemand den Kreis der Symbioseverlässt, sich so nicht zeigt, wie es in den Beziehungsspielregeln (von Beginn an im Subtext kommunizierte Erwartungen, Werte, Glaubenssätze) festgemacht worden ist, bricht etwas auseinander. Meistens die Beziehung. 
Da bröckelt was, bekommt Risse. 

Die Frage ist auch, ob ich überhaupt aushalten würde nicht mehr das Bild von meinem Gegenüber oder meine Beziehung zu sehen, wie sie mir u.A. Von Kultur und Erziehung eingetrichtert wurde, das berühmte: Mann – Frau – Kinder – Haus – Ding ist so ein Bild. 
Was ist mit Enttäuschungen oder Verletzungen darüber, dass der Andere einen so sehen könnte, wie man sich selbst am liebsten auch gar nicht sehen möchte? Mit allen Abgründen, in denen nie erkannte Bedürfnisse lauern. Die böse erscheinen, weil sie das schöne heile Bild der Welt inklusive Selbstbild ins Wanken bringen?
Da sind Liebende auf einmal so weit voneinander weg wie die ganze Welt. Da trifft einen die Einsamkeit Schlag auf Schlag. Wenn man sich im Anderen nicht mehr sehen kann und sich dort nicht mehr wie an einem Rettungsboot festhalten kann, wo dann, wenn es stürmt?
Womöglich müssen wir einmal lernen selbst zu schwimmen. 

Uns selbst zu halten und zu tragen. Womöglich müssen wir einmal loslassen, um zu sehen und gesehen zu werden. 

Und das bedeutet in der Regel eine scheiß Angst zu haben. Angst vor Verlust, Liebesentzug und all den anderen bösen Sachen, mit denen unsereins früher als Kind bestraft und gefügig gemacht wurde. Ja. Und realisieren: 

Das war früher. Heute ist heute. 
Wir müssen uns frei machen. Von Erwartungen, Meinungen, die uns über uns selbst erzählt und beigebracht wurden. So lange, bis wir sie endlich glaubten. Wir glaubten, wir bräuchten den anderen, um zu überleben.
So lange wir das nicht tun, sind wir nicht im Stande frei aus uns selbst heraus zu lieben. 

Denn da wo wir nicht frei lassen was wir lieben, herrschen wir über uns. Da wo wir uns selbst gestatten den Raum zu lassen, da geben wir auch dem Anderen Raum, und lassen ihn ein Stückchen freier sein. Vielleicht am Ende sogar so, wie er wirklich ist.

Und huch, vielleicht macht uns das dann sogar aus Versehen wirklich glücklich. 
Aber wer will das schon sein?

Dann gebe es ja nichts mehr zu jammern. Und das wäre dann schad‘. Auf dem nächsten Kaffeekränzchen 😉  
Foto: Sultanine / He-Man-Figur / 2013

  

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Selbstliebe 

Es fühlt sich erstmals wie eine Trennung an. 
Wenn man entdeckt was das wahre Selbst einem sagt, und man beginnt endlich hinzuhören. Diese fremde Sprache des Herzens wahrzunehmen, wie eine längst vergessene Melodie. 

Dann zerbricht die äußere Welt, die uns so fest in der Mangel hatte. Denn das Hinhören ist eine erste Abkehr von dem was uns ins Hirn erzogen und hineingepflanzt wurde. 

Das innere Bild auf dem genau das aufbaut bekommt Risse. Und wir entdecken: so war ich nie, so kann ich nicht sein. 

Und das ist ein bisschen wie sterben. Es zerbrechen Kaskaden von Glaubenssätzen. Über uns, über mich, über diese Welt. Und was sie ausmacht. 

Wer das erste Mal zu sich selbst findet, sein Herz öffnet, kehrt heim. 

Und das schmerzt. Denn wir wenden uns ab von der Welt der äußeren Form. 

Und dieser Schmerz ist noch ein Zeugnis von der oberflächlichen Beschaffenheit unserer Welt. Denn genau diesen Schmerz lehrte Sie uns: sich zu sich wenden heisst die Liebenden allein zu lassen. Aber genau das stimmt nicht. 

Wer sich zu sich selbst bekennt, auf sich hört, beginnt sich selbst zu lieben. So sehr, dass diese Liebe nur brennen kann, wenn sie verschenkt wird, und nach außen dringen darf. 

Das ist der Weg der Heimkehr und der Heilung. 

Höre auf dein Herz, denn es zeigt dir den Weg. Er führt durch die Einsamkeit, durch Schmerz und wird durch Liebe erlöst. Selbstliebe erlöst die Welt. 
Foto: Sultanine / Wendorf / 2015