Kein Text über Liebe

Der Geschmack der Straßen

In überfüllten Straßenecken, 
Überfluteten U-Bahn-Schächten,
suche ich durch und durch nach deinen Spuren.
Die Stadt ist rau und angekratzt.
Schmeckt nach bittersüßen Tränen der
Verlassenheit.
Nach dir und deinem Schatten.

Wie sehr möchte ich dich in meine dicke Decke wickeln,
Dir sagen, dass alles wieder gut werden wird,
Mit dir und dem Leben.
Mit uns.

Doch meine Seele ist zu leer,
so als finde sie die Worte nicht.
Meine Zunge zu schwach,
um sich einmal zu erheben.
Und Lügen zu strafen dem Leben,
dass es mich anders lehrte.

Ich habe sie alle verbraucht und bleibe stumm.
Betrachte die Lichter, der großen Stadt,
Stehe oben auf dem Dach,
kann den Wind und die Weite spüren,
schaue traurig zurück.
Ignoriere schwindelnde Höhen,
Und lügende Fassaden.

Wie oft sagte ich dir: „Bleibe bei bei mir, bis es nicht mehr geht!“
Wie oft weinte ich mich in den Schlaf darüber,
dass du mich nicht einatmen,
und mich nicht mit dir in deinen Lungen tragen kannst,

Überall hin?

Du verkauftest deine Seele, sie wollte fliegen,
nur um einmal bei mir zu sein.
Und dann..
Schließlich wurde ich zu schwer für deine Lungen,
zu schwer für dein Herz.
Schmeckte wie eine kalte Zigarette,
und der Melancholie über ein fast geliebtes Leben.
Eine Zumutung, die dich fesselnd auf den Boden drückte,

Und mir abverlangt,
Auf ewig Kind der Schwäche zu bleiben.

Kein Text über Liebe

Dornröschen *reloaded

Jetzt weiß ich warum Dornröschen so lange schlief.

Weil sie das ganze Elend nicht ertragen konnte.

Es gab keine Guten.

Schon gar keine Prinzen.

Es gab nur sie und die traurige Gewissheit:

Es war alles nur geträumt.

Und der schlimmste Alptraum begann, als sie erwachte.

Scheisse ja. Fuck!

So bittersüß ist es sich ins Traumland zu flüchten,

zu erwachen und zehnmal zu fallen.

Und zu erkennen, dass diese verdammten Dornen immer

noch stechen.

Dass alle Prinzen jämmerliche Muttersöhnchen sind,

die nix auf die Kette kriegen, lügen und betrügen,

und obendrein auch noch in klapprigen Karren und Camp David Hemden

daherkommen.

Wer will da schon Prinzessin sein?

Ich nicht!

Go to hell with that bullshit!

Dornröschen, meine Güte, Mädchen!

Wach’ auf, und dann machst du es dir selbst.

Das schöne Leben.

 

Kein Text über Liebe

Wurzel-Behandlung

Und schon wieder darf ich dich raus-reißen.

Aus dem Herz-Garten meiner Seele.

Erneut mache ich mich daran mit Spitzhacke, Spaten und Schaufel tief hin durchzudringen, durch das Erdreich um deine Wurzeln frei zu legen. Um mich von dir zu befreien. Wie oft tat ich das schon, dich einpflanzen, einbetten in meine Welt, dich pflegen und wachsen lassen und dann – zack – muss ich dich entfernen, auf einen Schlag. Und jedes Mal tut es weh, dich an die Luft zu setzen. Jedes Mal denke ich, dass es jetzt reicht mit dem ständigen Botanik- und Herz-Asyl, was ich dir permanent gebe. Wenn Pflanzen giftig werden müssen sie raus, müssen weg, und so entferne ich von dir, was mir schadet, bis auf den Grund. Bis auf die Wurzeln hinab muss ich gehen und alles entfernen restlos, was da in mir ist. Nicht einen Samen behalte ich, nicht eine Blüte möchte ich haben. Ich möchte frei sein von dir und diesem Theater was sich wie eine giftige Ranke durch meinen Seelen-Garten zieht und ihn nach und nach vergiftet. Frei und unbeschwert in Leichtigkeit leben, möchte wachsen lassen und pflegen, was in meinem Herz-Garten steht, damit es blühen kann. Du jedoch, willst nie bleiben, willst raus, sofort wieder aus meiner Pflege. Du willst nicht wachsen und gedeihen hier, dir wird es zu eng und auch der liebliche Duft der dich anzog, ist dir auf einmal ein Graus. Du musst weg. Und so helfe ich dir, befreie dich und mich von unserem Drama in tausend Akten und lasse dich frei.

 

Ich setze dich ab, irgendwo an einem weiten Strand, dann kannst du deine angestrengten Wurzeln in die Sonne halten, übers Meer davon segeln oder anderswo Wurzeln schlagen. Für den Moment. Ich kümmere mich um meinen Garten, lass ihn atmen und fließe mit dem kühlen Wasser, lache mit der Sonne und höre den Vögeln zu. Und die kahle, zurück gebliebene Stelle wird mit schönen Blumen geschmückt.

 

Wurzelbehandlungen sind doch eigentlich das Letzte was ich mag, doch manchmal sind sie leider notwendig. Manchmal überlebenswichtig.

Kein Text über Liebe

Stark

Wenn deine Hände mich nicht halten, 
wenn sie lose hingehalten oder fort. 
Wenn ich hindurchgleite durch deine Arme, 
weil du sie wegnimmst und ich eisig friere. 
Wenn deine Worte sich widersprechen, 
und ich verirrt bin im Echo der Ambivalenzen. 
Wenn ich nach deinen Umrissen suche, 
Tag für Tag. 
Und dich nicht finden kann im Nebel vieler Gesichter. 
Wenn du nicht erkennbar für mich bist, 
als Person. 
Oder gar als Mann. 

Dann sehe ich einfach nur durch dich hindurch, 
sehe mich selbst und erkenne dich nicht. 
Wenn du mal hier bist und mal da. 
Wenn du den Fokus wechselst permanent. 
Wenn deine Zunge zwiespältig spricht,
sich widerspricht am laufenden Band. 
Und wenn alles Garn der Welt nicht reicht,, 
um mich einzuwickeln in Liebesschwüre und Gedöns.  
Wenn es zu lose hängt das Band, 
veraltet ist und verbraucht. 
Wenn du tags drauf mich stehen lässt, einfach so, 
und ich zu leiden beginne unter deinem Leid. 

Dann werde ich immer stärker, jeden Tag. 
Laufe viel schneller als du gehen kannst. 
Dann wachse ich und höre nicht auf damit,
weil ich weiß, dass meine Größe mir allein gehört. 
Denn wenn mein Herz sich weitet immer mehr.
Und du immer noch meinst nicht reinzupassen. 
Wenn ich Halt suche und du nur betreten schaust,
dann weiß ich was zu tun ist. 

Dann schrillen meine Alarmglocken laut. 
Sie tönen und brüllen mich an im Sturm. 
Sie rütteln in mir wach, 
was für einen Moment vergessen. 
Und beschwören die Auferstehung einer tiefen Kraft. 
Wenn du meinst du musst mich ständig täuschen.
Darüber was Liebe ist und was nicht. 
Wenn du meinst ich halte dich auf, 
wenn du dich ständig versteckst. 
Dann denke nicht, ich vermisse dich. 
Ich lasse dich gehen und halte dich nicht.
Wie soll ich mich dann spüren im Quallen-Meer? 
Wenn du mal da und mal nicht? 
Mal warm oder kalt? 
Mal ja und mal nein. 
Dich nicht bekennst zu dir, zu mir oder zum Leben. 

Doch ich weiß es auch ohne dich ganz genau. 
Ich weiß, wer ich bin. 
Und lasse es mir von niemandem sagen. 


Und ich weiß, und das ist gewiss: 

Wenn ich zu stark bin, 
bist du zu schwach. 

Für mich. 


Kein Text über Liebe

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Rubrik „Kein Text über Liebe“

EinzigHEARTig unARTig - Der innere Seelenpfad

„Du sollst dir kein Bildnis machen“ sagte Max Frisch. Ich finde das aber schwierig. Wie soll das denn gehen? Ist es nicht eine Form der Welt-Erschließung sich erst einmal von allem ein Bild und eine Form zu machen?
Manche Menschen haben die Gabe dich zu sehen. Das bedeutet, dass sie dich wirklich erkennen, so wie du bist. Das sind in der Regel Menschen die selbst sehr aufgeräumt sind, sich innerlich so sortiert haben, dass sie ihre Innenwelt unter Kontrolle haben.

Sie können zwischen eigenen Projektionen die Konzepte, Wünsche und Bilder über die eigene Innenwelt beinhalten, und der Außenwelt die damit gar nichts tun hat, unterscheiden. Ein Mensch der in der Lage ist seine eigenen Konzepte und Denkweisen als das zu erkennen was sie sind, nämlich Kategorien die in Bild und Wort geistige Manifestationen seiner Innenwelt bzw. Identität sind, ist in der Lage sich nicht weiter mit ihnen zu identifizieren sondern…

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Kein Text über Liebe

Irgendwo und irgendwann

Irgendwo und irgendwann. 
Hinter dem Mond und neben dem Regenborgen,
warte ich auf dich. 
Wenn die Zeiten stillstehen, und wir uns gesehen, uns getroffen. 
So, wie damals am Fluss.
Der silbern dahin glitt unter weitem Himmel. 
Da warte ich. 
Auf dich. 
Irgendwann. 

Irgendwo und irgendwann. 
Sehe ich dein Gesicht in den Wäldern, 
höre dein Lachen im Wind. 
Er erzählt unsere Geschichte und weht hinfort. 
Alle Zweifel und Trauer.
Vergibt uns unserer Fehler. 
Unser Versagen.  
Und weht herbei die Leichtigkeit.
Und streicht dir sanft über dein Gesicht. 

Irgendwo und Irgendwann. 
Senke ich meine Augen nieder,
versinke in deinen und wünsche mir,
ich könnte schwimmen im Meer der Ewigkeit mit dir.
Irgendwann vergeben wir uns, 
ich dir und du mir. 
Das wir, niemals perfekt. 
Mehr unperfekt, schrecklich fehlbar. 
Wandelten und scheiterten auf allen Ebenen,
die sich Mensch-sein nennen. 

Irgendwo und Irgendwann. 
Legst du meine Hand in deine, 
bedeutest mir zu schweigen. 
Still soll ich stehen, endlich ruhig sein. 
Dann zeigst du mir die Sterne, 
die stillen Zeugen einer außergewöhnlichen Zeit, 
die Lachen und Weinen unter ihnen belauschten. 
Und leise säuselt der Fluss dazu. 

Irgendwo und irgendwann. 
Warte ich auf dich. 

Kein Text über Liebe

Gefährlich frei

Ich habe mir mein Herz gebrochen. 
Schon wieder, 
an dir. 
Aua. Tut das weh. 
Dieses bescheuerte, offene Herz. 
Ich habe mir mein Herz gebrochen, 
und kann den Verbandskasten nicht finden. 
Es zersprang und feine Risse bildeten sich. 
Zack. Kaputt. 
Und es erinnern viele Narben an ähnlich 
alte Verwundungen. 
An Liebes-Unfälle jeglicher Art. 
Ich schenkte dir mein Herz, 
warum nur, sag, hast du es fallen lassen? 
Warum warst du nicht achtsamer? 
Warum hast du es nicht auf dein Samtkissen gelegt? 

Ich habe mir mein Herz gebrochen. 
Schau! 
Es ist schon ganz ramponiert vom Lieben 
und von deiner Grobmotorik. 
Warum kannst du es nicht halten, 
einmal in Ehren? 
Warum, habe ich es dir gegeben und vertraut? 
Ich dachte, es geht. 
Und nun? 

Ich habe mir mein Herz gebrochen. 
An dir. 
Bei dir. 
Weil ich einfach arglos war. 
Aua. 
Dieses bescheuerte Herz. 
Warum kann es sich nicht verschließen, 
vor dir, der Welt und dem Schmerz der Liebe? 
Warum? 
Warum muss es all das fühlen und zu Grunde gehen dabei? 
Ständig gewrungen und geschunden werden, 
bis es in Fetzen über dem Zaun hängt?

Vielleicht, weil es sonst nicht aufspringen kann. 
Vielleicht, weil es leben, lieben und sich verleben lassen will. 
Weil es alles will auf einmal. 
Weil es nicht den leichten Weg gehen und sich tausendmal kreuzigen 
lassen will. 
Weil es dazu da ist, und Liebe immer schmerzhaft ist, wenn sie wirk-lich ist. 
Weil Werden und Vergehen der Grund aller Dinge sind. 
Und weil ein Herz zum Lieben da ist. 
Deshalb. 
Punkt. 
Deshalb bereue ich nichts. 
Auch wenn du es nicht hinbekommst, 
dann bekomme ich es aber hin. 
Für mich. 
Lass mich leer und voll lieben und mein Herz geht in die Reparatur. 
Verbinden werde ich es nicht. 
Es wird einfach an der Sonne Wärme und in die Wiesen gelegt und muss atmen. 
Einfach atmen, 
durch Schmerz und Leid hindurch. 
Bis es gebrochen da liegt und zum Vorschein kommt, 
was wirklich ist. 

Gleißend hell alle Schichten durchbricht.
Und wieder in Freiheit schlagen kann. 
Ohne Airbag, doppeltem Netz und Anschnallgurt. 
Ohne Samtkissen, Glaskuppel und Reanimationsteam. 
Einfach gefährlich frei. 
Wild und lebendig. 
Im eigenen Rhythmus. 
Lieben kann. 
Kein Text über Liebe

Weißt du noch?

Damals vor tausend Jahren…

Da waren wir glücklich.

Weißt du noch?

Da waren wir so was, was sie heute frei nennen.

Du und ich, wir waren frei.

Bis wir entschieden haben uns glücklich zu machen.

Für alle Zeit.

Festgezurrt und eingekesselt haben wir, was man heute so Liebe nennt.

Und erkennen jetzt:

Liebe läuft immer frei und stirbt im Zwang.

Sie geht.

Für immer. Und es bleibt nichts als das schale Gefühl vertaner Chancen.

Weißt du noch?

Sag mir einmal, weißt du noch?

Damals?

Als ich noch gelacht und wir zusammen so ausgesehen haben, als wären wir so was wie glücklich.

Sag mir, weißt du das noch?

Als du du, und ich ich waren.

Einfach so.

Kein Text über Liebe

Irren

Und ich weiß.

Du quälst dich genauso wie ich,

du fühlst dich genauso zerstört,

genauso gehasst,

und genauso einsam,

wie ich.

Dein Arm ist genauso kalt,

genauso hart,

genauso traurig.

wie meiner.

Auch wenn wir es vielleicht nicht sind.

Unserer Herzen liegen im Schatten,

schlagen nicht auf der Sonnenseite und liegen brach

und herum wie totes Fleisch,

durch dessen Venen einmal das Leben floss

in reißenden Strömen.

Wir atmen, stehen auf, schlafen ein.

Ja.

Wir über – leben das Leben. 

UNS. 

Und nennen das Leben.

Irgendwie.

Gut oder schlecht.

Es ist egal.

Und sind nicht froh darüber,

dass der Schmerz nun ein Ende hat.

Der unstillbare Schmerz nach mehr.

Nach Leben.

Nach dem Wahnsinn,

der sich UNS nannte.

Und den keiner verstand,

jeder uns für bekloppt hielt.

Für Irre. 

Für süchtig. 

Nach dem Schmerz. 

Wenn wir WIR sind. 

Und ich weiß: 

Lieber irre ich mit dir durch die Welt,

werde an dir, an ihr und deiner irre,

als an einer Welt ohne dich.

Ich ver-IRRE

Mich.

AN MIT UND OHNE DICH. 

Aber Irren ist ja menschlich.

(Sultanine-Archiv 29.02.2016)